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Donnerstag, 17. September 2015

Politikverdruss auf die Spitze treiben


Gerade eben liegt die erste Wahlrunde zur Bürgermeisterwahl in Gütersloh hinter uns.
Die Wahlbeteiligung lag bei nur noch 39,31 Prozent.



Eine hitzige Diskussion ist entbrannt, damit sei die Untergrenze der demokratischen Belastbarkeit erreicht.

Ganz besonders niedrig ist die Wahlbeteiligung im Stadtteil Blankenhagen. Sie lag im Stimmbezirk 83 nur noch 15,11 Prozent. Blankenhagen ist ein Ortsteil in Gütersloh mit prekärem Image: hohe Vielfalt, sprich viele Menschen mit Migrationshintergrund leben hier, viele Familienangehörige der britischen Streitkräfte, viele Leiharbeiter mit rumänischen Wurzeln, hohe Anzahl derer, die staatliche Transferleistungen beziehen. Hier gäbe es eine Menge zu tun. 

Bürgermeisterwahl 2009

Das hatte sich zur letzten Bürgermeisterwahl 2009 wohl auch die CDU gedacht. Im Februar 2009 stellte sie den Antrag, für diesen Ortsteil müsse etwas getan werden, möglichst integrativ, um eine Gesamtschau der Problemlagen zu ermöglichen und der Politik Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Das soziale Gewissen schlug im Wahljahr heftig, am 30. August 2009 fand die Bürgermeisterwahl statt. Da musste man Handlungswille und -kompetenz unter Beweis stellen für den Bürgerverein Blankenhagen, der zur Gesprächsrunde geladen hatte. 

Es wurde also auf Drägen und Antrag der CDU ein integriertes Handlungskonzept für Blankenhagen in Auftrag gegeben. Das Dortmunder Büro „Stadtbüro“ wurde beauftragt, die Kosten dafür verschwanden jedoch im nicht-öffentlichen Teil des Ausschusses. Der damalige und heutige Stadtplaner hatte über die Vergabe ohne Ausschuss entschieden, da die Kosten unter den abstimmungsnotwendigen Kosten läge, heißt es in der Niederschrift.

Das Büro erstellte dann dieses Konzept. Mit der Maßgabe: Das Angebot der Planungsgruppe Stadtbüro umfasst eine Bestandsaufnahme, Akteursgespräche, die Entwicklung von Projektideen und Empfehlungen sowie die Berichterstellung. Neben Gesprächen mit örtlichen Akteuren und Fachleuten soll eine Befragung der Einwohner sowie ein runder Tisch mit Wohnungseigentümern durchgeführt werden."

Im Juli 2010 lag das Handlungskonzept vor. Auf runden 50 Seiten kamen alle Aspekte zur Sprache, auf rund vier Seiten ergaben sich minutiöse Ansätze, wie dem schlechten Image des Ortsteils entgegengewirkt werden könnte. Die Ansätze sind so portioniert, dass sie mit gutem Willen sogar umsetzbar gewesen wären. 


Hier ist etwa davon die Rede, einen „Kümmerer“ einsetzen zu wollen. Zudem solle man die Verwaltung sensibilisieren, dass viele städtische Ressorts berührt wären, durch eine eigene Verwaltungsrunde zum Ortsteil könnte man diesem im Blick behalten.

Das alles liest sich so, als wäre das gerade heute entschieden worden. Ist es ja auch.

Bürgermeisterwahl 2015 

Denn: im Juni 2015 hatte der Planungsausschuss des Rates erneut beschlossen, ein integriertes Handlungskonzept für Blankenhagen zu erstellen. Wieder soll das Stadtbüro aus Dortmund zum Einsatz kommen, wieder soll es alle Facetten des Prekären von sozialer Situation über Demographie und Bildung bis hin zu Migration im Blick behalten. Wieder sollen Bürger zu Wort kommen, beteiligt werden. 

Und: Wieder geht das auf das plötzlich erwachende soziale Gewissen eines Christdemokraten zurück. Auch dieses Jahr ist wieder Bürgermeisterwahl, es passt sogar alles zusammen, der CDU-Kandidat ist auch gleichzeitig Stadtbaurat und er hat sein Herz für diesen Ortsteil entdeckt. Noch passend am 1. Mai 2015 war er mit dem Bürgerverein Blankenhagen auf einer Fahrradtour durch den Ortsteil unterwegs. 

Jetzt werden die Mitarbeiter des Stadtbüros Dortmund wieder Bürger befragen. Diese Bürger aber werden sich die Augen reiben und sich fragen, ob sie das nicht alles schon mal zum besten gegeben haben. Sie müssen sich fragen, was mit den Ergebnissen des letzen Handlungskonzeptes von 2009 passiert ist, ob es das noch gibt und ob das denn niemand gelesen hat.

Es findet sich zur Zeit noch im Netz, siehe Link oben. Vielleicht wird es dort aber bald gelöscht, damit nicht auffallen wird, dass es das alles schon mal gegeben hat, wenn jetzt ein neues Handlungskonzept auf den Markt kommt.

Die Politik im Rat scheint das Konzept komplett vergessen zu haben. Die Bürger aus Blankenhagen zumindest haben sich an das Konzept erinnert. Sie haben sich auch daran erinnert, dass nichts passiert ist mit dem Konzept 2009, kein Kümmerer eingesetzt wurde, keine besondere Verwaltungsrunde stattfand. Im Gegenteil, Blankenhagen schultert mehr und mehr - und bleibt aus sich heraus völlig gelassen.

Sie haben aber dieses aufgesetzte und wohl auch nicht ganz billige Wahlversprechen mit einem noch größeren Desinteresse an Wahlen quittiert, als sie dies beim letzten Wahlgang schon getan haben. Die Wahlbeteiligung in Blankenhagen lag bei rund 15 Prozent.

Projeziert man diese Erfahrung in das Jahr 2020 wird es wohl ein drittes Handlungskonzept geben, weil sich der nächste CDU-Kandidat durch die Einladung des Bürgervereins an sein soziales Gewissen erinnert fühlt. Und dann gehen die Blankenhagener überhaupt nicht mehr zur Wahl.

Nicht segregiert, sondern frustriert

Und dann sage aber noch einer, die gehen nicht wählen, weil sie segregiert sind. Nein, sie gehen nicht zur Wahl, weil sie einmal mehr nicht ernst genommen wurden und diese Erfahrung in das umgemünzt haben, was es ist: Politikerverdrossenheit. Zu recht.

Dienstag, 31. Dezember 2013

2013 verabschiedet sich

Am Ende des Jahres bleibt die Verneigung vor den Ereignissen in 2013. Ein Jahr, das viele Veränderungen und Erkenntnisse mit sich gebracht hat. Das nennt man wohl Leben. Ich möchte aber an dieser Stelle nicht ins Erzählen kommen... 

Schaun wir lieber in die Zukunft. 2014 dreht sich das Rad erneut. Mit besonderer Vorfreude darf man sich der Kommunalwahl im Mai zuwenden, zumindest, was Inhalte für einen kommunalen Politikblog angeht. Da bin ich schon sehr gespannt - und das wäre die Zeit, ins Erzählen zu kommen. Vielleicht mit neuen Formaten und Formen in diesem Blog. Abwarten.

Einen guten Rutsch und ein politisches Neujahr 2014 wünsche ich allen!



Mittwoch, 11. Dezember 2013

Soziale Medien - Nutzung vor und nach der Wahl

Die NRW-Kommunalwahl 2014 naht, der Wahlkampf rollt bereits an, kaum, dass die Nation den Bundestagswahlkampf 2013 hinter sich hat, wobei die Regierung noch nicht einmal steht. Was haben beide Wahlen miteinander zu tun? Einiges. Erstens: die Bundestags-Kandidaten nutzten die Sozialen Medien für ihren Wahlkampf - und wie sieht ihr Kommunikationsverhalten nach der Wahl aus? Das führt zu zweitens: Immerhin bewirbt sich der Großteil der ehemaligen Bundestagskandidaten jetzt für ein kommunales Mandat.

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Wie die Bundestagskandidaten die Sozialen Medien in Wahlzeiten genutzt haben, findet sich in meinen Blogbeitrag von August 2013 dazu. Wenn jetzt der Großteil von ihnen auch im Kommunalwahlkampf aktiv ist, ist ein Rückblick auf die Gütersloher Kandidaten also ganz hilfreich. Was läuft in ihren Accounts noch NACH der Wahl und was heißt das für die Kommunalwahl?


Sonntag, 19. Mai 2013

Am Horizont sichtbar: Kommunalwahl NRW


Die Kommunalwahl NRW 2014 wirft ihre Schatten voraus:

Die Kommunalwahlen in NRW 2014 sollen am Tag der Wahl der Abgeordneten des Europäischen Parlamentes aus der Bundesrepublik Deutschland, voraussichtlich am
25.05.2014, stattfinden. Der Wahlausschuss befasst sich damit am Montag, 27. Mai 2013 erstmalig. Da die rot-grüne Landesregierung NRW eine erneute Zusammenlegung der Wahltermine für die Kommunalwahl und die Bürgermeisterwahl umsetzen will, ist das eine spannende Frage, denn die Wahlperiode der neuen Ratsleute soll einmalig von fünf auf sechs Jahre verlängert werden.... das Kreuz der Bürger kann diesmal besonders schwerwiegen.


                                           Politische Farbenlehre: bald neu gemischt?            Foto ak 2010
In der Vorlage der Verwaltung heißt es: "Die gesetzliche Mitgliederzahl des Rates der Stadt Gütersloh beträgt aufgrund der zum Stichtag 30.06.2012 zugrunde zu legenden Einwohnerzahl von 96.965 Personen (Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) gemäß § 3 Abs. 2 Buchstabe a KWahlG 50 Personen
Der Rat der Stadt hat in der "Satzung zur Verringerung der Mitgliederzahl des Rates der Stadt Gütersloh ab der im Jahr 2009 beginnenden Wahlperiode vom 28.04.2008" die Zahl der Ratsmitglieder auf 44 Ratsmitglieder reduziert, von denen die Hälfte in Wahlbezirken zu wählen ist. Eine Änderung dieser Satzung hätte bis zum 28.02.2013 erfolgen müssen, was nicht geschehen ist. Mithin ist das Wahlgebiet der Stadt Gütersloh für die voraussichtlich am 25.05.2014 stattfindenden Kommunalwahlen weiterhin in 22 Wahlbezirke einzuteilen."