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Sonntag, 19. April 2015

Digitale Wirtschaftsförderung gestalten


Die Digitalisierung verändert die Wirtschaft radikal - nicht erst morgen, sondern heute schon: Daten sind die neue Währung, die sozialen Interaktionen in den neuen Kommunikationskanälen sind der Rohstoff für Wertschöpfung. 

Die Mechanismen von „Industrie 4.0“ und „Internet der Dinge“ wirken grundlegend anders als bisherige Geschäftsmodelle. Digitales Wirtschaften ist in der Lage, ganze Industrien alter Erfolge von heute auf morgen hinter sich zu lassen. 

immer in Bewegung
// Relationen ändern sich  

Diese Entwicklung und auch damit verbundene neue Formen der Arbeit 4.0 stellen unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Diese Entwicklungen gehen an Gütersloh nicht vorbei. Hier gilt es, die kommunale Wirtschaftsförderung digitalfähig aufzustellen.

Die Wirtschaftsförderung ist eine kommunale Aufgabe. Digitale Wirtschaftsförderung bedeutet Netzwerkarbeit – dies in virtuellen und realen Netzwerken. Dabei ändert sich die Relation zu den Unternehmen, die ihrerseits virtueller werden. Es ändert sich auch die Beziehung zu Kunden, die nicht nur Konsumenten, sondern zunehmend Produzenten sind. Firmen entstehen, die sich teilweise nur noch im Netz abspielen. Eine andere Form der Kommunikation miteinander wird daher unbedingt notwendig.

// Gutes Beispiel IT´S OWL 

Aus den Netzwerkstrukturen entwickeln sich Wertschöpfungsketten über Grenzen von Kommunen und Unternehmen hinweg. Viele Unternehmen arbeiten schon heute entörtlicht. Sie brauchen kaum mehr Werkhallen nach altem Verständnis oder riesige Gewerbeflächen. Sie wirken im Netz, sie nutzen statt dessen Kreativität und Wandlungsfähigkeit der Mitarbeiter. Mit einem Mausklick sind sie online oder bereits an einem anderen Ort aktiv. Darauf muss sich die Stadt Gütersloh künftig noch stärker einstellen. Eine klassische raumbezogene Wirtschaftsordnung ist damit künftig wirkungslos. 

es wird ernst: die Bundesregierung schaltet Anzeigen
Es braucht andere Kriterien wie etwa optimale Rahmenbedingungen in Form von guter Bildung, Netzwerkmöglichkeiten, schnelles Netz, Rückkopplung an Wissenscluster. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Technologienetzwerk IT´s OWL. Die Stadt Gütersloh muss virtuelle kommunale Orte schaffen, wichtiges Modul hierbei ist u.a. die Bildung und Qualifizierung der jungen Menschen vor Ort. 

// Kennen und Verstehen 

Für die Wirtschaftsförderung ist es notwendig, diese innovativen Formen des Wirtschaftens und Arbeitens zu verstehen und deren Mechanismen als Chance für Gütersloh zu nutzen. Die beschriebenen Möglichkeiten der Kommunikations- und Geschäftsprozesse verlangen andere Ansätze und Qualifikationen als das bisher der Fall ist. Vor dem Hintergrund der Konversion in Gütersloh ist das zentral. 

Diese Kompetenzen müssen Stadtverwaltung und Kommunalpolitik in Gütersloh jetzt verstärken und ausbauen. Dazu ist es notwendig, auch die Kompetenz in den eigenen Reihen der Verwaltung neu zu entdecken. Es ist eine hohes Maß an Medienkompetenz und an Netzwerkkompetenz gefragt. Das bedeutet oftmals Neuland für eine Verwaltung sowie einen Mentalitätswandel weg vom Behördendenken hin zum Agieren als Partner auf Augenhöhe. 

// Neue Formen der Zusammenarbeit

Auch neue Formen der Zusammenarbeit von Verwaltung, Unternehmen und Nutzern ist gefragt, wie etwa beim User Generated Content. Wer sich öffnet und etwa offen Daten zur Verfügung stellt, kann durch zivile Datenveredler neue Werte schaffen. Es werden vernetzte und kollaborative Arbeitsorte gebraucht, die die Gründung von Plattformen ermöglichen, durch die Neues entsteht. Diese Plattformen allerdings können nur ortsgebunden sein, wenn eine Kommune diese erkennt und an sich binden kann. Für die zukünftige Finanzkraft einer Stadt wie Gütersloh wird dies eine zentrale Rolle spielen. Die Stadt muss in mobile und vernetzte Kommunikation investieren. 

// Ziel 2020 erreicht?! 


Das jedoch geht nur, wenn auch die Verwaltung an sich zu einer modernen Verwaltung wird, nur so kann sie den Rahmenbedingungen und Bedarfen einer zunehmend veränderten Umwelt gerecht werden. Gütersloh muss im Können und im Handeln digitaler werden. Das Ziel ist eine Verwaltung 4.0 bereits 2020, das schließt eine digitalfähige Wirtschaftsförderung mit ein. 


Fotos: ak2015


Donnerstag, 18. Dezember 2014

Online Shopping mal anders


Dieser Tage bekam der Begriff „Online-Shopping“ eine ganz andere Bedeutung für mich:

Ich stand in einem Bekleidungsgeschäft, welches sonst eher von jüngeren Mädchen besucht wird - das mit dem 8. und 13. Buchstaben im Alphabet. Versunken in meine eigenen Gedanken schob ich die reduzierten Pullover von rechts nach links und konnte mich nicht entscheiden.

              Wolle weihnachtlich      Foto: ak 2014

Plötzlich stand ein junger Mann Anfang dreißig hinter mir. Er hielt sein Handy ans Ohr und sprach ziemlich hektisch: 

„So, ich bin jetzt in der Ecke mit den Pullis. Wo soll das sein?“

Die Antwort am anderen Ende der Leitung konnte ich natürlich nicht hören. Ich sah nur das offensichtliche Ergebnis: er kam näher zu mir. 

„Und welchen?“ fragte er in sein Smartphone, das mit dem Apfel, ich konnte es am Weiß erkennen.

Wieder hörte ich nichts, sondern verfolgte seine prompte Handlung: Der blaue Pulli mit dem skandinavischem Muster glitt vom Bügel in seine Hand. 

„Welche Größe braucht sie denn, hier steht XS, passt das?“

Offensichtlich nicht, denn das Wollmuster wanderte zurück auf die Stange.

Er schob nun mich beiseite, „Schuldigung, darf ich mal  kurz?“ und kramte weiter, drehte die Etiketten der blauen Pullis der Reihe nach um.

„Nee, finde ich nicht“. Pause und ein Schritt zurück vom Regal.

„Ja, es gibt die auch noch in rot und in weiß“, gab er Rapport.

„Dann kriegt sie eben einen in rot, ist doch auch schön!“ setzte er fort, jetzt noch deutlich weniger entspannt als zu Beginn seiner Suche.

„Ja. Gibt es. Habe ich. Rot in M.“

„Och nein, also jetzt habe ich doch einen! Warum das jetzt?" Pause. "Hmh", folgte gequält. Pause. "Wo soll das denn sein?“

„Ich sehe hier keine Rolltreppe“ er schaute sich um. „Wo?“

Hilfesuchend hielt er Ausschau, nahm sogar das Phone vom Ohr als ob er diesmal seinem Lotsen am anderen Ende doch nicht bedingungslos vertraute.

Mit einer Drehbewegung hängte er den doch nicht gewählten Roten in M zurück ins Regal und machte sich auf den Weg … wie ferngesteuert.

„Ja, mache ich…“ hörte ich ihn noch sagen, dann verschwand er hinter dem Kleiderständer mit Röcken in Richtung Rolltreppe.

So kann OnlineShopping also auch funktionieren, dachte ich mir: da sitzt jemand zuhause oder sonstwo - vielleicht im Café oder in der Tiefgarage, mobil alles möglich - und steuert einen realen Anderen online wie einen Kaufavatar durchs Geschäft.

Ich hoffe, seine Shoppingliste ist abgearbeitet, bis er sein Smartphone wieder aufladen muss.

Freitag, 12. Dezember 2014

Kostenlos und frei: WLAN für öffentl. Gebäude

Wie wäre es mit freiem WLAN in allen öffentlichen Gebäuden? Auch in Gütersloh? Die Freunde und Eingeloggten von Freifunk Gütersloh sind da ja schon deutlich unterwegs. Gut so. Leider sind sie bisher etwa am Rathaus gescheitert. Da gibt es das nicht. Darf man nicht, heißt es.

Jetzt bekommen die Freifunker und Internetnutzer Verstärkung von besonderer Seite - von der Bundeskanzlerin und der CDU: 

Der HabbelBlog hat es bereits gemeldet: Auf dem gerade vergangenen Parteitag in Köln "hat die CDU durch einen Beschluss die notwendige Rechtsänderung im Telemediengesetz zur Störerhaftung noch einmal bekräftigt, um so kostenloses WLAN in allen öffentlichen Gebäuden, in der Bahn und auf Flughäfen zu ermöglichen. Ebenso sollen zum Beispiel Restaurants, Cafés, Hotels und andere Einrichtungen öffentlich zugängliches WLAN anbieten können, ohne für eventuellen Missbrauch durch die Nutzer haften zu müssen.
Bereits im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD sind diese Forderungen schon enthalten. Es bleibt zu hoffen, dass durch diese Bekräftigung auf dem Bundesparteitag der CDU der Gesetzgeber jetzt auch schnell handelt."


Interessant ist, dass sich auf Twitter genau der Bürgermeister gemeldet hat, der seine eigene Stadt Arnsberg schon sehr vorbildlich fast flächendeckend mit Freifunk ausgerüstet hat: 
Ich habe ihm geantwortet, er solle doch gerne mal sein Rezept für den Erfolg verraten. Vielleicht fragen jetzt auch noch mehr bei ihm nach.

Zudem habe ich bei Detlev Buschkamp von Freifunk Gütersloh, warum WLAN so essentiell ist - hier seine Antwort: 




Dienstag, 18. November 2014

Mittelalter: IT-Ausstattung in Schulen

In dieser Woche wurde eine Forsa-Studie im Auftrag des VBE (Verband Bildung und Erziehung) veröffentlicht. Kernaussage: Die IT-Ausstattung in Schulen ist mittelalterlich. Das ist in Gütersloh wohl nicht anders. 


Bei der Vorstellung der Ergebnisse ist dies hier sicherlich die zentrale Aussage:

„Die IT-Ausstattung der Schulen ist mittelalterlich“, kritisierte Udo Beckmann. „Wer digitales Lernen in den Schulen ernsthaft installieren will, muss eine zeitgemäße Ausstattung aller Schulen, von der Grundschule bis zu den berufsbildenden Schulen, sichern. Und das ist allein in Verantwortung der Dienstherren und Schulträger zu realisieren.“ 

Das sehe ich genau so. Es gibt viele gute Kollegen, die das Thema längst in der Schule etablieren könnten - nur ohne Ausstattung geht es nicht. Und wir sprechen hier nicht von ein paar PCs, die in der Nische im Büro verstauben. Es geht um Klassensätze an Tablets. Die Grafik zeigt: Tablet-Computer sind in den Schulen Fehlanzeige. 


Forsa
Foto: Forsa






Ein Ergebnis stimmt versöhnlich: 72 Prozent der Befragten gab an, dass die Schule über einen schnellen Zugang zum Internet verfügt. Was aber, wenn der nicht genutzt wird, weil die Bits und Byptes ins "Nichts" fließen?

Wenn jetzt die alljährlichen Haushaltsberatungen anstehen, auch der Fachbereich Bildung seinen Haushalt aufstellt, könnte man darüber nachdenken, eine einmalige Aufstockung der Mittel für die Schulen festzulegen. Und zwar zweckgebunden mit dem Ziel der Verbesserung der IT-Ausstattung in den Schulen.

Einen zweiten Antrag wäre auch dies wert: Wie sieht das eigentlich in Gütersloh aus? Kommunizieren die Verantwortlichen in Schulen und Schulverwaltung eigentlich über geschützte dienstliche E-Mails? Nur 57 Prozent der Befragten sagten hier ja in der Forsa-Umfrage. Gerade hier geht es um wirklich sensible Daten. Meine Erfahrung ist die, dass sich hier bisher keiner darum gekümmert hat. Also: Nachhaken!

Hier scheiden sich die Geister

In der Thematik der Nutzung von digitalen Endgeräten scheiden sich derzeit noch die Geister. Es gibt Befürworter, es gibt Gegner. Eines ist aber klar: bei jeder Bewerbung werden heute die Jugendlichen auf ihre Fähigkeiten am Rechner getestet! Neue Berufe enstehen, die überhaupt erst durch die Digitalisierung erzeugt wurden. Die Betriebe werden Zug um Zug "smart", d.h. sie nutzen intelligente Technik. Die Unternehmen suchen Beschäftigte mit diesen Kompetenzen. Von digitaler Teilhabe will ich hier zudem mal schweigen.

Besonders skuril wird es übrigens hier: sowohl Schüler als auch Lehrer generieren ihr Wissen und Können in der Nutzung von Smartphones, Tablets und Rechnern privat. Neun von zehn befragten Lehrer geben das zumindest so an. Und bei den Schülern kenne ich das aus eigener Erfahrung: Das, was mein Sohn am Rechner alles kann hat er nicht in der Schule gelernt. 

Also: Zwei Anträge in der Politik ergäbe diese Forsa-Umfrage auf jeden Fall. Die Erkenntnisse sind da. Das wäre mal ein Anfang. 









Sonntag, 5. Oktober 2014

Auf dem Weg mobil zu werden

Im Rahmen der 10. CoLab Initiative "SmartCountry - Digitale Strategien für Regionen" habe ich Dirk R. Arendt (BerlinerStrategen) in einem Kurzvideo interviewt. Er gilt als ausgewiesener Kenner des E-Governmentes und arbeitet daran, eGovernment auch in Deutschland zukunftsorientiert in Richtung mobile Government weiter zu entwickeln.

Dass diese Überlegungen notwendig sind, zeigt: Heute sind mittlerweile rund 41 Prozent der Internetnutzer mobil im Netz. Die Verteilung des Anteils an Internetnutzern 
nach Altersklassen, die auch mobiles Internet verwenden  in den Jahren 2012 und 2013 in Deutschland findet sich in einer Grafik von Statista hier. Deutlich wird: der Anteil der Jüngeren im mobilen Netz überwiegt. Sie werden die Bürger und Kunden von morgen sein. Das wird zwangsläufig auch Auswirkungen auf künftiges Verwaltungshandeln haben.

Wenn Mobilität und Internet derart umfassend in den Lebensalltag der Menschen eingebunden ist, wird es auch selbstverständlich sein, Verwaltungshandlungen mobil abzurufen. Bisher steckt diese Umsetzung des "mobileGovernment" aber noch in den Kinderschuhen. Da ginge noch mehr.

Dirk Arendt dazu:

Sonntag, 6. Juli 2014

Digitale Trends kommen nicht aus Politik

Digitale Trends und digitaler Wandel findet den Weg offenbar nur über Umwege in die Kommunen und Regionen. Impulse kommen in der Regel aus der Wirtschaft, aus der Wissenschaft und aus der Zivilgesellschaft. Die Politik ist kaum einmal initiativer Impulsgeber.

Die digitale Lebenspraxis der Menschen ist weiter als die der Politik - und teilweise der Verwaltung. Das gilt es zu ändern, will man die kommunale Selbstverwaltung mit all ihren wachsenden Aufgaben und Verantwortlichkeiten künftig im Sinne der Verfassung weiterbetreiben.

Ein Aspekt der Digitalisierung ist ganz klar der Breitbandausbau. Auch dies ist kein Thema, welches die Politik auf die Agenda gesetzt hätte, sondern die Nutzer. Und dies ist auch kein Thema allein nur für den Bundesverkehrsminister - der Breitbandausbau ist eine zutiefst kommunale Aufgabe. Der Zugang für alle zu einem schnellen und freien Netz ist zentrales Anliegen der Bevölkerung - und mittlerweile ihre Lebensader. In Gütersloh ist das Thema Breitbandausbau kaum bekannt oder relevant. In den ländlichen Nachbarkommunen ist es schon deutlicher im Zentrum der politischen und verwaltungstechnischen Agenda - die Notwendigkeit der Anbindung an künftige Lebenswelten ist offensichtlich für den ländlichen Raum noch bedeutsamer als für eine Stadt wie Gütersloh. Das kann fatale Folgen haben: verschläft Gütersloh den Anschluss?

Wir als Initiative "Demokratie wagen" haben zum Breitbandausbau einen Bürgerantrag gestellt:

Startseite

Hier geht´s zum Inhalt....


Ein Auszug schon mal hier:

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,
die Initiative „Demokratie wagen!“ bittet Sie, folgenden Bürgerantrag auf die Tagesordnung des 1. Hauptausschusses am 25. August 2014 zu setzen:
Der Hauptausschuss möge beschließen, dass bei allen Straßenbaumaßnahmen im Gebiet der Stadt Gütersloh, insbesondere bei kritischer Infrastruktur wie Bundesstraßen, Landesstraßen, Bahntrassen- Autobahn- und Gewässerquerungen, ab sofort das Verlegen von mehreren DN50 PE-Leerrohren (oder vergleichbaren PE-Rohren) zum Ausbau der Breitbandverkabelung durchzuführen ist als vorbereitende Maßnahme mit dem Zweck, die Versorgung mit schnellem Internet von mindestens 50 mBit/s für alle Bürger, Gewerbe und Industrie zu garantieren und zu verbessern. Es sollen Leerrohre von den Hauptverteilern (HVTs) bzw. den geplanten Standorten für die Unterbringung der aktiven Technik bis zu allen Siedlungszufahrten verlegt werden, einschließlich der dafür notwendigen Übergabevorrichtung (Glas-KvZ). In begründeten Fällen soll auch eine Verlegung bis in die bewohnte Gebiete erfolgen.
Selbstverständlich gehört eine kartographische Begleitung in einem Geo-Informationssystem (GIS) dazu, um durch eine Dokumentation die Netzstruktur nachvollziehen zu können, wo ggfls. Leerrohre noch gelegt oder verbunden werden müssen.
Das Verlegen soll entsprechend der „BUNDESRAHMENREGELUNG LEERROHRE“ (http://www.breitbandbuero.de/) erfolgen, um etwaige Fördermöglichkeiten durch öffentliche Mittel zu erhalten. Gleichzeitig soll die Stadt Verhandlungen mit ortsansässigen Internetanbietern zum Einziehen von Kabeln in die Leerrohre und zum Netzbetrieb aufnehmen.
Die passive Infrastruktur der Leerrohre und Verteilpunkte (KvZ) soll in der kommunalen Hoheit der Stadt Gütersloh verbleiben. Die Fertigstellung des „Masterplans“ als kreisweites Kataster der Breitbandversorgung soll nicht abgewartet werden. Auf einen Projektierungsauftrag an die „regio it“ kann verzichtet werden.
Ferner ist es unser dringendes Anliegen, den demokratischen Aspekt eines Netzausbaus mitzudenken, daher ist eine solche Diskussion unbedingt transparent und öffentlich zu führen. Mindestens einmal im Jahr ist eine Dokumentation zum aktuellen Sachstand zu erstellen und zu veröffentlichen.

Begründung:

Vor einigen Jahren gab es noch einen gesetzlichen Versorgungsauftrag für Telefon und ISDN. Für Breitbandnetze auf Glas- oder Kupferbasis gab es von Bund und Ländern keine ähnlichen Anstrengungen und Umsetzungen. Doch ohne einen Versorgungsauftrag wird die Telekom einen möglichen Breitbandausbau aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht betreiben. Das bedeutet für viele Kommunen und Regionen, dass sie wohl noch lange mit den weißen und grauen Flecken im Breitbandatlas leben müssen, da ein Ausbau nicht rentabel genug ist.
In den nächsten Jahren ist....  (weiter geht´s hier.)



Samstag, 28. Juni 2014

Smart Country - Digitale Strategien für Regionen - CoLab und owldigital starten

Mir fehlen Zukunftsperspektiven und vor allem öffentliche Diskussionen darüber, wie wir künftig mit dem digitalen Wandel und den daraus resultierenden Herausforderungen umgehen wollen. Für Gütersloh - und für andere kleinere und mittlere Städte in der Region fehlt mir ein Bild. Gerade für OWL ist dies eine zentrale Herausforderung. Kopf in den Sand stecken - oder neugierig sein auf das, was sich tut - wie reagiert man?


#owldigital startet

Kopf-in-den-Sand ist nicht angesagt. In den letzten Wochen hat sich die Initiative #OWLdigital gegründet: 


OWLdigital ist ein lockerer Verbund von Menschen, die digitale Gene in sich tragen. Also sind alle diejenigen angesprochen, die beim Thema #digital einen höheren Pulsschlag bekommen. Unser nächstes offenes Treffen findet überigens statt am Donnerstag, 3. Juli ab 20 Uhr in der Weberei in Gütersloh. 

Was wir da machen? Austauschen über Digitales. Austauschen über Innovation, den Prozess des Wandels beleuchten, sich inspirieren lassen, voneinander lernen, sich vernetzen.


# Smart Country - Colab startet 

Zudem startet dieser Tage die 10. Initiative des Colab zum Schwerpunkt "Smart Country - Digitale Strategien für Regionen". Ich freue mich sehr, dabei zu sein!



DE_Blau.png



Das ist der Teaser des CoLab: 


"Bei der Diskussion um Smart Cities wird außer Acht gelassen, dass 70 Prozent der Deutschen außerhalb von Großstädten leben. Durch flächendeckende Breitbandversorgung erreicht der digitale Wandel auch kleine und mittlere Städte sowie die ländlichen Regionen abseits der Ballungszentren. Damit eröffenen sich neue Chancen für soziale und wirtschaftliche Entwicklungen, denn gerade hier ist der Handlungsdruck auf Grund der demographischen Entwicklungen und des Trends zur Urbanisierung hoch.

Die 10. Initiative des Internet & Gesellschaft Collaboratory erörtert interdisziplinär, wie das Internet helfen kann, diesen Wandel zu gestalten. Dazu beschäftigt sich eine Multistakeholder-Expertengruppe damit, welche Innovationen einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität ausüben oder neue Wertschöpfungsketten in dezentralen ländlichen Strukturen sowie in kleinen und mittleren Städten ermöglichen.

Die Initiative will Strategien und Anwendungen identifizieren, welche die digitale Rennaissance ländlicher Regionen sowie kleinerer und mittlerer Städte ermöglichen. Dazu bilden sich Arbeitsgruppen u.a. zu den Themenbereichen Verwaltung und Politik, Mobilität sowie Infrastruktur und Kommunikation.

Wir werden Pilotprojekte und daraus resultierende Erfahrungen in einer Landkarte zusammenführen und Erfolgsfaktoren herausarbeiten. Auf dieser Basis entwickelt die Initiative digitale Strategien und Handlungsempfehlungen für Entscheider."


# Das Internet & Gesellschaft Collaboratory


Was ist das?

Das Collaboratory ist das Labor für die Netzgesellschaft. Seit seiner Gründung im Jahr 2010 sind über 350 Expertinnen und Experten aus allen gesellschaftlichen Bereichen im auf der Platform aktiv. In innovativen Formaten beleuchten sie aktuelle Herausforderungen der Digitalisierung auf Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft und entwerfen Lösungsansätze — praxisnah und multiperspektivisch. Es ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin.

Das primäre Format des Collaboratory sind zeitlich abgeschlossene Initiativen. In 3 bis 6 Monaten bearbeiten bis zu 35 Experten aus allen gesellschaftlichen Bereichen einen bestimmten Themenkomplex. Ziel ist es, aus einer unabhängigen und multiperspektivischen Position heraus Fragen zu bearbeiten, Handlungsempfehlungen zu formulieren und praxisorientierte Lösungen zu entwickeln. Themen bisheriger Initiativen waren z.B. „Privatheit und Öffentlichkeit“ oder „Globalisierung und Internet“.





Sonntag, 11. Mai 2014

OpenData - was hindert Kommunen an Bürgerbeteiligung im Netz?

Die re:publica ist ein Quell der Inspiration. Anfänglich eine heilige Messe fast nur für Eingeweihte, ist sie mittlerweile eine Veranstaltung, die in der Mitte der Zivilgesellschaft angekommen ist. Gesellschaft goes digital. Natürlich war ich auch hier mit dem kommunalen Blickwinkel unterwegs - und wurde reichlich belohnt mit Impulsen für Trends und auch Entwicklungen, die mehr und mehr geerdet werden, weil sich viele Kommunen auf den digitalen Weg machen. Damit wird Nerdiges zum Alltagsgeschäft. Es gibt immer weniger Ausreden für Stillstand.

#Session

Eine Session dazu: Was hindert Kommunen an mehr Bürgerbeteiligung im Netz? Auf Stage J referierten und diskutierten das Andreas Urban (Microsoft, Leiter Open Source Strategie) und Sebastian Basedow (Zebralog).



                         Bürgerbeteiligung sales              Fotos ak 2014
Brechend voll war die Hütte, der Hashtag #entwaffnendoffen erwies sich offensichtlich als einladend. Eine kurze Skizze des aktuellen Politikstils setzte das Plenum ins Bild: Kommunen sind knapp bei Kasse, der Wunsch nach mehr Beteiligung und Öffnung ist auf beiden Seiten da: Verwaltungen und Bürger sind sich da einig. Doch bisher schaffen zentrale Instanzen Fakten, die Entscheidungen verlaufen in der Regel Top Down. 

Als die Frage kam, wer von den Teilnehmern aus  der Verwaltung komme, waren es viele Hände, die nach oben gingen; als die Frage kam, wer schon an E-Partizipationsformaten teilgenommen habe, flogen ebenfalls viele Hände hoch. Die Frage, wer aus der Politik kommt, wurde seltsamerweise nicht gestellt. 


                      #entwaffnendoffen - das Motto zieht            
#Alter Stil dankt ab 

Der alte Stil aber beginnt zu bröckeln, Neues hält Einzug: Die Ressourcen der Vielen fallen ins Gewicht, die Bürger werden verstärkt mitgenommen, die Aspekte des Top Down und Bottom up verschieben sich, kehren sich teilweise um. Digital ist selbstverständlich dabei: "Bürger erwarten heute wie selbstverständlich digitale Formate der Beteiligung". Ein Argument: die Devices, also technischen Geräte der Bürger selbst, haben eine hohe Rechnerleistung. Warum diese also gerade dann brachliegen lassen, wenn es um Mitgestaltung und um Beteiligung geht.  

Es folgten Beispiele für digitale Beteiligung: etwa "ludwighafen diskutiert" - eine online-Plattform, auf der die Bürger der Stadt über ein Bauvorhaben mitdiskutieren und die jeweiligen Beiträge, der Verlauf und die Entscheidung weitestgehend transparent gemacht werden. Die Abrufzahlen sind spannend,d die Stadt hat 165 Tausend Einwohner - Komplexität ist also diskutierbar.

Nächstes Beispiel: "radischerheit.berlin", ein Projekt, welches die Unfallhäufigkeit beim Abbiegen zum Anlass genommen hat, die Sicherheit von Radwegen zu verbessern. 

Und dann noch "Gießen direkt", eine Dialogplattform, u.a. zur Finanzierung und Haushaltsfragen. 

Die Zahl der Beispiele wäre lange fortzusetzen, es etabliert sich eine Menge. Und eine Erkenntnis der letzten Jahre der zähen Debatten ist sicher diese: es braucht offensichtlich mehr gute Beispiele und mutige Vorreiter, die zeigen, wie es geht, was Kreativität alles ermöglicht. Vielleicht ist es oft einfach nur die Frage einer zündenden Idee?


#E-Partizipation zu kurz gefasst

Zur Debatte um Beteiligung im Netz hinzugekommen ist die um #OpenData und auch die um #Kollaboration. Ein zündender Satz in der Veranstaltung war der, "Beteiligung lebt von OpenData". 



Sebastian Basedow, Zebralog; #rp14

Mit diesem neuen Glaubenssatz ist spätestens jetzt alles auf den Kopf gestellt: Öffentlichkeit und Geheimhaltung werden neu definiert. Früher galt alles geheim, was nicht ausdrücklich veröffentlicht werden sollte. Heute wird geheim eher zur Ausnahme, die begründungspflichtig ist. Damit ändern sich auch die Rollenverhältnisse zwischen Verwaltung, Politik und Bürgerschaft. Der Kulturwandel hat hier aber erst begonnen.

Aber es geht um weit mehr als "nur" um Transparenz. Offene Daten sind viel wirkungsvoller als ledigliche Nachlesequellen. Man kann sie lesen, vernetzen in neue Kontexte bringen und zu neuen Anwendungen führen - für jedermann zugänglich und nutzbar. Plötzlich entsteigt den Daten ein eigener Wert, ein neuer Nutzen. 

Spätestens jetzt jedoch tritt in der politischen Debatte die Kostenfrage auf. Urban (wie passend für den kommunalen Kontext) erläutert, dass die Kosten für das Datenspeichern erkennbar gesunken sind und die Preise weiter fallen werden. Eine Folie zeigt das gleichzeitige hohe Wirtschaftswachstum, welches in OpenData schlummert. Beziffert wird dies von ihm mit rd. 206 Mrd Euro an Wertschöpfung. 120 Länder plus x befassen sich mit OpenData, 250 + OpenGovernment-Initiativen gibt es weltweit. 1,9 Prozent Anteil am BIP-Wachstum soll es ausmachen. Spannend ist nach wie vor auch immer die Frage der Technik: Open source, offene Schnittstellen, Cloud Computing, Big Data: wer den Anschluss halten will, muss sich damit beschäftigen. Beruhigend die Ansage: "technologisch gibt es alles, was man braucht, wenn man im Netz beteiligen will". 



Andreas Urban, Microsoft, über OpenData und CloudComputing, #rp14


# Einstieg über Wasser und Wolken

So hohe Ziele und doch beginnen die meisten Datenöffnungen zunächst beim "Wetter", zu dem es unzählige Datensätze und aktive Apps gibt. Ein Beispiel aus Madrid lehnt sich daran an: trees in Madrid. Ein Verzeichnis der Bäume in der spanischen Großstadt mit einem Hinweis auf Pollen. Oder auch Pegelstände Niedersachsen, eine Landkarte mit dem Überblick über die Wasserstände von Küste und Flüssen mit einem Datenbestand von rund 1,8 Mrd Datensätzen für 30.000 km Flüsse und Bäche. Übrigens alles Themen, die sich auch in Gütersloh diskutieren lassen, siehe Baugebiete im Hochwassergebiet in Isselhorst. Wer sollte das glauben, im platten Ostwestfalen.

Gewünscht hätte ich mir einen Anriss der Diskussion, dass für offene Daten auch "immer Personal vorhanden sein müsse. Wenn man das für offene Daten abziehe, blieben andere Aufgaben liegen..." die Diskussion über die Gleichzeitigkeit von Erstellen und öffentlich machen hätte mich interessiert, auch das Verändern der Arbeitswelt, vor allem, wie selbstverständlich meist jüngere Kollegen schon medienbruchfrei arbeiten und sich die Frage nach dem Internetarbeit noch obendrauf längst durch "das Internet IST meine Arbeit" ersetzt hat. 



Nina Schröter, Ministerium f. Gesundheit NRW; rp14

Die anschließende Diskussion im Raum allerdings war eine von den vielen Diskussionen, die man schon huntertfach geführt hat: die nach dem Veränderungsmanagement in der Verwaltung, die nach den Zahlenspielen bei Beteiligung: niedrige Beteiligungsquoten versus Qualität und Generierung von Alternativen (die es vorher oft gar nicht gegeben hat)... etc. 
Auch immer wieder ins Feld geführt: es gäbe zu wenig Erfahrungen im Umgang mit OpenGov und OpenData, die Frage des Datenschutzes war auch Thema, immer dann genutzt, wenn etwas nicht veröffentlicht werden soll.  

Ein mir wichtiger Punkt: der Weg hin zu Open Data und Beteiligung allein muss oft politisch erstritten werden. Es ist in der Regel nicht die Politik, die diese Formen proaktiv ermöglicht, meistens sind es die Verwaltungen selbst, die hier vorangehen wollen aber gebremst werden. Oft sind es aber auch Initiativen, die die Impulse dafür gegeben haben. Auf die Frage also: "Was hindert Kommunen an der Partizipation im Netz?" ist daher eine mögliche Antwort - der Wille der Politik. Sie entscheidet am Ende über Ja oder Nein, über Ressourcen und über die Ergebnisse. Es geht nicht nur ums Agenda-setting - wir machen das. Es geht darum, Ergebnisse zu erzielen - je mehr gute Beispiele, desto besser. 

Die nächste Session wünsche ich mir also dazu: wie gehen wir einen Schritt weiter?







Sonntag, 4. Mai 2014

GT noch zu wenig digital - Wahlkampf

Wie digital sind die Kandidaten für den Rat 2014 bis 2020 in der Stadt Gütersloh? Die Frage ist spannend vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung unserer Gesellschaft - aber auch mit Blick auf die Dialogfähigkeit der Bewerber und den Informationswunsch der Wähler. Nutzen die Kandidaten also die neuen sozialen Kanäle für ihre politische Arbeit und Inhalte zum Dialog mit den Wählern?

Heute habe ich mal einen Blick auf Twitter geworfen.  

Fazit vorweg: Twitter ist Kommunikationsmittel eher für die "mittelalten" Politiker im Alter von 30 - 35 Jahren, es gibt wenig Aktive, viele Twitteraccount-Leichen, kaum politische Botschaften, so gut wie keine Posts zur Gütersloher Politik. Da ginge also noch mehr.

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Grafik google Bild

Hier einige Details:

Von den 155 Kandidaten in 22 Wahlkreisen sind insgesamt 16 Kandidaten auf Twitter aktiv. Das sind gerade mal rund 10 Prozent. Bei weiteren 15 Kandidaten ist unklar, ob es sich um Gütersloher Kandidaten handelt, hier findet sich kein Hinweis, ob es sich nicht einfach nur um Namensgleichheit handelt oder um Anmeldungen ohne Aktivität, die lediglich einen digitalen Fußabdruck hinterlassen haben. Es gibt weder ein Foto, keine oder kaum Follower, die auf einen Güterslohbezug hinweisen.

Bei den 16 Aktiven ergibt sich folgende Hitliste der Parteien: vier Twitterati bei den Linken, drei bei der SPD, drei bei der BfGT, zwei Grüne, zwei FDP und ein CDU-Kandidat. Das Alter der häufigsten Nutzer liegt zwischen 30 bis 35 Jahren, gefolgt von den 40 bis 45 Jährigen. Die dritthäufigste Kaste der Nutzer ist zwischen 60 und 65 Jahren alt. Damit ist Twitter eher ein Medium für die "Mittelalten". 

Die Aktivität der Einzelnen ist sehr unterschiedlich. Zählt man die meisten Follower, führt Wibke Brems (Grüne und MdL NRW) mit 1.037 Followern. (Der Stand kann sich minütlich ändern, sowohl nach unten als auch nach oben.) Es folgt Hannu Peters BfGT (208 Follower), Ludger Klein-Ridder, Linke (153), Paul Neß, FDP (111), Denis Selent, SPD (65), Rudolf Schiedel , Linke (63), Peter Bunnemann, Unabhängig (44), Martin Goecke, SPD (42), Jael Rachel Räcker, SPD (13), Herbert Wessel, Linke (13), Tobias Bonnekoh, BfGT (8), Daniel Heihoff, BfGT (4), Claudius Weisensee, FDP (2), Raphael Tigges, CDU (4), Tillmann Kunze, Linke (0) und Hans-Peter Rosenthal, Grüne ebenfalls mit (0).

                                         Brems auf Twitter                           Fotos ak 2014
Die Anzahl der Follower sagt nicht unbedingt etwas über die Qualität der Posts aus, wohl aber über die Vernetzung und Kommunikationsfähigkeit. Die Posts sind allerdings alles andere als zahlreich. Die Liste reicht von 5.228 Kurzmitteilungen (also Tweets) bis hin zu 0 Tweets. Der größte Teil der Tweets ist nicht politisch

Tigges auf Twitter  
 Und die politischen Tweets berühren in der Regel nur ganz selten Gütersloher Politik, sondern eher Landes- und Bundespolitik. Hier stechen Brems und Klein-Ridder deutlich politische heraus, sie sind durchweg politisch unterwegs, auch mit Güterslohbezug.

Nun muss man Twitter nicht zwangsläufig als Medium für politische Arbeit nutzen. Twitter aber ist mittlerweile ein fester Bestandteil der politischen Kommunikation. Die Chance auf die von Massenmedien und Lokalzeitungen unabhängige Berichterstattung über die eigene politische Arbeit in der Kommune ist für politisch Aktive sehr groß - und wird in GT kaum genutzt. Dabei hätten gerade Kommunalpolitiker eine Menge zu sagen, sie könnten sich hier positionieren mit ihren Wahlaussagen, die auf kommunaler Ebene sehr konkret ausfallen können. Die Kandidaten hätten hier auch die Chance, ihre Schwerpunkte zu beschreiben und ihre Ziele zu formulieren, eigene Inhalte deutlich zu machen. In Gütersloh stehen immerhin rund 77.000 Wahlberechtigte auf dem Zettel, die am 25. Mai ihre EINE-Stimme bei der Kommunalwahl abgeben können, zumindest, was die Wahl des Rates angeht. Dabei gehört moderne Online-Kommunikation zumindest in Zeiten des Wahlkampfes heute zu den Standardkanälen: es bedarf wenig Aufwandes, geringer Kosten. 

Das Internet gehört heute zudem zu den Hauptinformationsquellen der Bürger - und der Wähler - dies auch gerade lokal. Viele informierte Bürger erwarten deutlich mehr Information und auch direkte Quellen als nur die Berichterstattung durch die lokalen Medien oder Stadtblätter. Sie erwarten direkte Ansprache und Dialog. Kommen die potenziellen Stadträte diesem Informationswunsch nicht nachhaltig nach, entsteht nicht selten Unmut - und das Gefühl der Politikerverdrossenheit steigt weiter. 

Es wäre also wünschenswert, wenn sich die Kandidaten beherzter in die neuen Kommunikationswelten wagen würden. Dorthin, wo sich viele Wähler schon größtenteils bewegen. Das Plakatieren mit unsinnigen Halbsätzen wird immer weniger gewollt ebenso wie das Überreichen von gedruckten Flyern in der Innenstadt beim Einkauf am Samstag. Gewünscht ist: virtueller Austausch.


















Donnerstag, 1. Mai 2014

Kommunalwahl als Demografiefalle?

Kandidaten – Alterscheck: In Gütersloh kandidieren 155 Kandidaten in 22 Wahlkreisen zur Kommunalwahl. Beängstigend ist deren Durchschnittsalter - es liegt bei 51,60 Jahren aller Kandidaten. Wir diese erkennbare Überalterung zur Demografiefalle der Kommunalpolitik?


        Kommunalwahl = Demografiefalle?     Foto ak 2014
Stellt man eine Rangliste der Alterung auf, ergibt sich folgendes Bild: 

1. UWG mit einem Altersdurchschnitt von 61 Jahren.
2. Grüne und BfGT mit einem Altersdurchschnitt von 52 Jahren
3. CDU mit einem Altersdurchschnitt von 50,00 Jahren
4. SPD, FDP und Linke mit je einem Altersdurchschnitt von 49 Jahren.

Der älteste Kandidat steht auf der Liste der FDP mit Jahrgang 1932, der jüngste Kandidat steht auf der Liste der SPD mit Jahrgang 1994. Ein Unterschied von 62 Jahren.

Schaut man auf den Demografischen Wandel in Gütersloh generell, so liegt das Durchschnittsalter in Gütersloh im Jahre 2011 bei 42,8 Jahren. Nach einer Bevölkerungsprognose zufolge läge der Durchschnitt im Jahr 2030 für Gütersloh bei 46,4 Jahren. (Quelle: Wegweiser-Kommune.de) Die Ratskandidaten aller Parteien und Gruppierungen liegen also deutlich über dem Durchschnittsalter aller Gütersloher heute und sogar noch in 26 Jahren.

Die größte Häufung älterer Kandidaten liegt in den Altersjahrgängen von 1945 bis 1955. Die UWG-Kandidaten sind hier mit 45% ihrer Kandidaten vertreten, gefolgt von den Grünen und der SPD. Im Altersspektrum zwischen 1955 und 1965 hat die CDU ihren stärksten Anteil. Im Altersspektrum der Jahrgänge zwischen 1965 und 1975 ist die zweitgrößte Welle vertreten, hier ist die BFGT am häufigsten vertreten, dicht gefolgt von den Linken. Der unabhängige Kandidat liegt übrigens im Trend der Alterung mit Jahrgang 1949.


#Alte bestimmen über Zukunft

Das vorliegende Altersspektrum bedeutet u.a., dass mit der Altersdebatte auch in Gütersloh ein häufig diskutiertes Problem des demografischen Wandels greift: die Älteren bestimmen deutlich über die Zukunft der Jungen, die kaum in den politischen Gremien vertreten sein werden. Auch wenn nicht alle Kandidaten als Ratsleute gewählt werden, finden sich trotzdem  viele von ihnen später als sachkundige Bürger in den Ausschüssen wieder, das Durchschnittsalter bleibt also hoch.

Mit der deutlichen Überalterung der politischen Gremien schwingen viele Aspekte mit - es soll keine Altersdiskriminierung erfolgen. Geschärft werden soll jedoch der Blick und das Bewusstsein dafür, dass ggf. Problemlösungen gänzlich nach alter Tradition gesucht werden, was die Methode angeht "Wir kümmern uns" und neues Wissen etwa aus dem Arbeitskontext gänzlich fehlen wird.




#Arbeit verändert Kommunen

Beim Stichwort "Arbeitswelt" schlagen zur Zeit viele neue Studien und Forschungsergebnisse auf, die belegen, wie sehr und wie schnell sich die Arbeitswelt künftig revolutionieren wird: Entfesselte Hierarchien, dialogische Kommunikation, Arbeitszeitverschiebungen, Arbeitsortverschiebungen, Netzwerke, Fachkräftemangel, Sinnhaftigkeit, Arbeitgeberwechsel sind nur einige Schlagworte - alles ist in Bewegung, langsam aber stetig.


Was hat die Kommunalpolitik nun mit diesen Änderungen zu tun? Die Menschen ändern sich, sie arbeiten anders. Und Arbeit verändert Kommunen - das erlebt jeder, der schon mal das Stadtmuseum Gütersloh besucht hat - vom Spinnrad an den Computer etwa. Die Kommunalpolitik legt in der Regel die Rahmenbedingungen fest, ist also die Antwort: Ob es nun um die Bereitstellung von Kitas und Schulen geht, oder noch handfester, ob es künftig etwa eine moderne Breitbandversorgung in der Stadt geben wird oder nur die altbackene Überbauung durch das Vektoring der Telekom zum Zuge kommt, sind bahnbrechende Fragen für die Zukunftsfähigkeit der Stadt. Zugleich ist Gütersloh Modellkommune für E-Government. Der neue Rat wird entscheiden, wie es damit weitergeht, in welchem Tempo und was das für Auswirkungen auf künftige Arbeitsbeziehungen mit anderen haben wird. Will man auf dem untersten Level der Möglichkeiten bleiben - oder erkennt man Innovationen, die die Gesamtbevölkerung in Gütersloh künftig brauchen wird? Fragen, die zentral werden in den kommenden sechs Jahren Rat.

Wer etwa Themen wie "Open Data" und öffentliche E-Mails für Personen des öffentlichen Interesses (Kandidaten) ablehnt, wird sich in den kommenden sechs Jahren vor vollendete Tatsachen gestellt sehen, wenn die Umwelt deutlich weiter sein wird und die Stadt mit Entscheidungen hinterherhinkt. Da ist es wenig hilfreich an alten Mustern festzuhalten oder auch nur situativ, alternativlos und diskussionslos (oder wie so oft nur geheim) zu entscheiden.


#Neues Demokratieverständnis

Vor dem Hintergrund der "alten Kümmerer" könnte auch komplett ausgeblendet werden: der zunehmende und deutliche Wunsch der modernen Gesellschaft nach umfassender und früher Informationen sowie echter Teilhabe. Zudem ist ein ganz wesentlicher Punkt zu beleuchten: wie steht es künftig mit der Gewichtung der Repräsentativität in den Räten, wenn alleine die Altersfrage ein solches Ungleichgewicht mit sich bringt? In dem Zusammenhang müsste man sich zudem auch die Altersstruktur in den politischen Parteien und Gruppierungen ansehen und analysieren, ob diese Formen der Politikvermittlung überhaupt noch die Gesellschaft erreichen und ihrem hohen Vertretungsanspruch gerecht werden können.

Auch das Vorhandensein eines Jugendparlamentes etwa kann dieses Manko nicht überdecken. Das Jugendparlament wird in der Regel nicht angehört, es gibt zwar öffentliche Protokolle über die Sitzungen, die man nachlesen und damit erahnen könnte, mit welchen Themenschwerpunkten sich die junge Generation beschäftigt, wenn es um die Gestaltung ihrer Heimatstadt geht, wie fließen die aber in die reale Kommunalpolitik ein? Die Frage wäre auch spannend: wie hoch ist eigentlich die Übergangsquote von Aktiven aus dem Jugendparlament in die „reale“ Politik? Das zu beantworten ist schwer, denn es gibt kaum Namenslisten dazu, obwohl bereits das 7. Jugendparlament gewählt wurde.

Hinzukommt die Verweildauer der Politiker im Rat. Hier wird deutlich: die älteren Semester bleiben lange im Rat. Allerdings ist das vor allem erkennbar eine Problematik der „alten“ Volksparteien CDU und SPD, die auf sehr lange Verweildauern zurückblicken.Sie aber sind die Mehrheitsfraktionen. Die Mehrheitsbeschaffer, die „kleineren“ Parteien oder Gruppierungen „frischen“ sich zwar häufiger mit neuen Kandidaten auf – aber auch hierdurch wird der Altersdurchschnitt nicht spürbar verjüngt. Von aktiver Kommunalpolitik in PARTEIEN (!) angesprochen fühlen sich offensichtlich Ältere weit mehr als Jüngere.

Was also tun, wenn das politische Personal nur in der Form zur Verfügung steht? Wie dem kommunalpolitisch entsprechen - oder gar entgegenwirken? An der Aufstellung der Kandidaten ist nun nicht mehr zu rütteln, die haben Wenige gebastelt. Die Mischung fehlt, die Perspektiven sind einseitig. Die Wahl gibt schon Möglichkeiten, aber die Alternativen sind so minimal, dass sie nicht ins Gewicht fallen, das Wahlrecht in NRW alleine ist schon altbacken.


#Zukunftsfähigkeit selbst organisiert?
  Der kommende Rat sollte sich rein organisatorisch die Frage stellen, wie Zukunftsfähigkeit überhaupt als Thema kontinuierlich mitgedacht wird. Also weg vom ewigen Diskutieren über Innenstadtzentriertes wie Stadthalle, Hallenbad, Theater und Feuerwache. Hin zu Themen, die über den Tellerrand weisen. Hier sind die Stichworte Kollaboration und Zukunftsausschuss wesentlich. Die Politik und auch die Verwaltung müssen sich öffnen. Warum nicht einen solchen Ausschuss für Zukunftsfragen einrichten und die Zivilgesellschaft aktiv in die Entwicklung in Form von Kollaboration mit einbeziehen? Öffentlich. Vernetzt.

Fakt ist: Die Alten allein werden es nicht richten. Der neue alte Rat in der Form auch nicht.


















Donnerstag, 27. März 2014

Bürgerumfrage zur Mobilität - Einladung ins Nichts?

Kreis und Stadt Gütersloh arbeiten Hand in Hand: sie befragen die Bürger des Kreises nach Ihrer Meinung zur Mobilität. Die Einladung kam allerdings per gedruckter Postwurfsendung an alle Haushalte. Auf den homepages von Kreis und Stadt findet sich dazu kein Hinweis. Folgt man dem Link im Brief, landet man... beim Verkehrsverbund OstWestfalen-Lippe in 2006.

                                               Politik des Gehörtwerdens?                         Foto ak 2014
Mobilität betreffe uns alle im täglichen Leben - wird den "lieben Bürgerinnen und Bürgern" im Anschreiben offenbart. 

Samstag, 8. März 2014

In den Startlöchern für die Wahl

Die Parteien rüsten sich zur Kommualwahl am 25. Mai 2014: Parteien und Gruppierungen stellen ihre Reservelisten auf, küren ihre Kandidaten. Leider finden die Kandidatenvorstellungen und Wahlen in der Regel in geschlossener Partei-Gesellschaft statt. Direkte Fragen sind daher nicht möglich, aber man könnte künftig online Fragen stellen.

Dazu muss man nachschauen, wer da schon online ist:

 
                                     es ist wieder so weit... wir "dürfen" wählen      Foto ak 2013


Die Wahlvorschläge sind spätestens bis zum 07.04.2014 (48. Tag vor der Wahl), 18.00 Uhr (Ausschlussfrist) bei der Bürgermeisterin als Wahlleiterin im Rathaus, Berliner Str. 70, 33330 Gütersloh, einzureichen, so steht es im Amtsblatt Nr. 18/2013.

Wie finde ich die Kandidaten im Netz und wie stellen die Parteien ihre Listen dort vor?


Montag, 10. Februar 2014

Schnelles Netz für den Kreis und die Kommunen

Das zentrale Thema in der Zukunft ist ein schneller Zugang zum Internet. Wir reden hier über die Breitbandversorgung. Wo steht eigentlich Gütersloh, wenn es um Breitbandversorgung geht -  was macht der Kreis Gütersloh? Ich habe mal laut gefragt... und eine Antwort von Andreas Poppenborg erhalten. Er ist Leiter der Business Unit eGovernment und Mitglied der Geschäftsleitung bei der regio IT in Gütersloh. 

                       Breitband - Kabel warten - wer macht´s?       Foto ak 2014
 



Von ihm erfahre ich, dass der Zweckverband INFOKOM das Projekt "Digitaler Breitband Masterplan" im Kreis durchführt. Dieses Vorgehen sei mit allen kreisangehörigen Kommunen und dem Kreis Gütersloh abgestimmt. 
Im Kern geht es um den zügigen Ausbau von Hochleistungsnetzen. Im Bund etwa heißt die Devise, bis 2014 sollen 75 % der Haushalte über Anschlüsse mit Übertragungsraten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde verfügen können.

Mittwoch, 15. Januar 2014

Das Netz existiert nicht

Das Netz. Die Kabelverbindung. Es lässt mich zurzeit mehr Zeit in dieser Haltung verbringen... Es funktioniert nicht. Die Netzgesellschaft Bielefeld und Gütersloh erklären, es gäbe kein Problem mit der Internetversorgung in unserer Straße....




Freitag, 3. Januar 2014

Netz nur in Häppchen

Was gibt es Schlimmeres für einen Blogger als kein Netz? Seit 10 Tagen gibt es das Internet bei mir nur in Häppchen, mal da -  mehr weg, nie satt.

Daher fällt das Bloggen schwer, es bleibt Stückwerk. Wir arbeiten an der Wiederherstellung. Mit Hilfe der offiziellen Stellen.