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Samstag, 29. August 2015

Digitale Wertschöpfung und Schlaf - wie passt das zusammen?

Die Pro Wirtschaft GT hatte zur 3. Wirtschaftskonferenz geladen. Rund 120 Gäste waren dieser Einladung gefolgt.

Prominentester Gast war wohl der Wirtschaftsminister NRW, Garrelt Duin. Er hielt die Key Note und übergab auch 930.000 Euro Fördergeld für OWL und den Clustergedanken eines Technologiezentrums.

Launig bot der Minister ein Bild des digitalen Wollens: Auf seiner Agenda steht das Programm "Köpfe, Kooperation und Kapital", wenn es um digitale Wertschöpfung geht. Dieser Ansatz bezieht sich aufs gesamte Land, nicht nur auf die Region OWL, der man allerdings eine Menge Möglichkeiten zutraut. Duin postulierte auch, NRW solle zum Digitalland Nr. 1 werden in Deutschland. Start-ups und Traditionsunternehmen müssten zusammen kommen, was besonders lokal gelinge. Fünf Zentren für digitales Netzwerken in NRW seien angedacht, man brauche Orte für Dynamik, wisse aber nicht, was dabei herauskomme. Unser Land solle zum Gravitationsfeld für Industrie4.0 werden. Und die Infrastruktur für die Gewerbegebiete und die Schulen müsse vorrangig sein, meinte er.
Soweit der formulierte Wille, was alles möglich sein soll im Land. Übrigens lief am gleichen Abend im WDR ServiceZeit ein kurzer Film zum Thema "Wie schnell surft NRW?" - mit sehr gedämpfter Stimmung, denn NRW surft nicht schnell.

// Realitätscheck vor Ort

Dann aber einmal gerne auch hier der Realitätscheck der digitalen Denke vor Ort an nur einigen Stellen:

Gefragt wurde der Landrat Adenauer, wie digital er denn schon sei, etwa in der Kommunikation. Seine Antwort war, er bekäme mittlerweile 2/3 Mails und 1/3 Briefpost, aber bei beiden gehörten 50 Prozent in den Mülleimer. Interessante Information, dass ein Landrat sich auf Mails beruft, wenn er nach Digitalisierung gefragt wird.

// Telekom hat´s gemacht 

Weiter geht es in der Beschau des Breitbandausbaus in Gütersloh. Hier habe man sich frühzeitig mit einem Gutachten auf den Weg gemacht, die Telekom habe mittlerweile "eigenwirtschaftlich" das Netz ausgebaut, man sei in Gütersloh also sehr gut aufgestellt. Wir reden hier über Vectoring durch die Telekom und ein Versprechen, dass jeder mindestens 50 m/bits bekommen würde. Auf einer Veranstaltung, die sich digitale Wertschöpfung zur Messlatte gelegt hat, kann so eine Ansage eigentlich nur Kopfschütteln hervorrufen. Statt dessen: Sattes Schweigen und dann Applaus.

// Referentin hat Spaß, Publikum ist aufgeregt 

Bis hierher war es politisch geprägt. Es folgte ein Vortrag von Dr. Ursula Frank, Beckhoff Automatisierung. Sie zeigte Charts über die bereits in vollem Gang befindlichen digitalen Umwälzungen, die aber mittlerweile bekannt sind: Google Maps, Apple Watch, WetterApps. Also Mainstream. Das erzeugte Unruhe in den Reihen, es wurde kommentiert, das sei doch eher etwas für Nerds. Wohl gemerkt: wir schreiben das Jahr 2015 und wir unterhalten uns über disruptive Geschäftsmodelle und ein klein wenig auch über Arbeit 4.0 und Industrie 4.0.

Mehr will ich gar nicht schreiben. Wohl gemerkt: ich bin ein großer Fan von it´s OWL, dem TechnologieCluster hier in der Region, ich schätze auch die Akteure sehr. Doch sobald es an den Transfer in die Breite geht, also in die Riege der Entscheider und Würdenträger vor Ort, wird mir bange ums Herz, ob denn hier auch schon angekommen ist, was wie ein riesiger Wirbel um uns herum schon Wirkung zeigt. "Wir haben die Digitalisierung verschlafen", raunte ein Banker.

Da kann man nur sagen: Ja!

// Lass mich´s grad mal besser wissen

Und wenn ich dann noch ein paar Tipps geben darf: die pro Wirtschaft GT hat sogar einen Twitter-Account. Auf der Veranstaltung (mit einem #Wirtschaftskonferenz - den ich selbst gemacht habe, damit man das überhaupt findet, der aber eine ganze Zeile auf Twitter verschlingt) - aber wurde gar nichts von hier getwittert, außer das:

Und dann: es gab kein WLAN in den Tagungsräumen der Volksbank, der Gastzugang funktionierte auch nicht und hätte einen Zugangscode gebraucht. (Dafür funktionierten draußen x-Überwachungskameras.)
Ja, auch das Format könnte man das nächste Mal ändern: Gern ein Barcamp draus machen, dann können alle Geladenen mitmachen, sich einbringen und mit den Füßen entscheiden, welchen Vortrag sie gerne mitmachen möchten.


Mittwoch, 24. Juni 2015

Crypto-Party - Verschlüsseln für Jedermann


Unsere Treffen von #owldigital verstetigen sich. Aus einer anfänglichen Idee entwickelt sich Kontinuität. Das Digitale braucht genau das: ein Fortschreiten in der öffentlichen Wahrnehmung und konkrete Anknüpfungspunkte, was genau sich verändert. Gerade der ländlich strukturierte Raum in OWL ist auf digitale Innovation und Anschluss angewiesen. 

Zum 5. Treffen von OWLdigital in der Weberei in Gütersloh war diesmal nicht nur Hören und Netzwerken angesagt, sondern "Hands on" - Selbermachen: Verschlüsseln für Jedermann war das Motto des Abends. Wir hatten zu einer CryptoParty eingeladen zu der jeder seinen Rechner mitbringen konnte. Ziel war die sichere private Kommunikation durch Verschlüsselung der eigenen EMails mit einer OpenSourceSoftware.



// Was ist überhaupt eine CryptoParty?

Wikipedia notiert dazu: "Eine CryptoParty bezeichnet ein Treffen von Menschen mit dem Ziel, sich gegenseitig grundlegende Verschlüsselungs- und Verschleierungstechniken (zum Beispiel Tor, VPN, OpenPGP, Festplattenverschlüsselung und OTR) beizubringen. CryptoPartys sind öffentlich und unkommerziell, mit dem Fokus auf Open-Source-Software."

// C3PB 

Praktisch unterstützt haben uns die Aktiven des C3PB aus Paderborn - eine Variante des ChaosComputerClub (CCC). Die Aktiven betreiben eine tolle Website. Auf die Frage "Was macht ihr so?" steht hier: "Wir bieten mit dem Hackerspace einen Treffpunkt für technisch interessierte Menschen, zum gegenseitigen Austausch und zur Arbeit an Projekten. Andererseits möchten wir unser Wissen auch weitergeben und machen dies mit verschiedenen Veranstaltungen."

Eine davon ist die Cryptoparty für #owldigital. Den Kontakt hatte Thorsten Ising vermittelt, Gründungsmitglied bei owldigital. 

// Passwörter - sicher?

Stefan Kloepping vom C3PB gab eine kurze Einführung ins Thema Verschlüsselung und Datensicherung. Ein besonderes Augenmerk dabei sind die Passwörter. Gelegenheitspasswörter und Allerweltspasswörter sind nicht besonders sicher, erklärte Kloepping. MickyMouse sollte man daher besser nicht verwenden. Auf so ein allgemeines Kulturgut können immerhin zig Millionen Menschen kommen. 

Die nächste unsichere Anwendung ist, einfach Buchstaben durch Zahlen zu ersetzen. "Da glaubt man sich auf der sicheren Seite." Doch auch das ist ein Trugschluss, sagt Stefan. Ebenso wie das Einfügen von Groß- und Kleinschreibung. Auch nicht sicher. Ein Computer eines gängigen Hersteller könne schnell 1000 Passwörter durchprobieren, dafür braucht es maximal drei Tage, um ein Passwort zu knacken. 

// Geerdet 

Ich war ziemlich schnell geerdet, immerhin verwende ich wie wohl jeder eine ganze Menge Hirn daran, ein einigermaßen intaktes Passwort zu erfinden. Und die große Kunst dabei: die muss man sich auch alle noch merken. Die anderen im Raum lauschen genau so andächtig, wie ich. Augenscheinlich hat jeder das gleiche Problem, denn der Saal lacht gequält und wissend bei den Worten von Stefan. Die Notwendigkeit der Daten-Sicherheit ist uns wohl bewusst. 

Es hilft also nur, das Passwort regelmäßig unregelmäßig zu ändern. Noch besser: man solle sich zusammenhängende Satzphrasen ausdenken. Die sind für einen Rechner unlogisch. Daran kann er sich schon eher die Zähne ausbeißen, bis ein Passwort geknackt wird. 

Vier Wörter, die zusammenhängen, wären schon gut. Ich formuliere mal so aus Spaß "Webereidubistganzklasse". Das dürfte also schwer werden für einen potenziellen Passwortknacker. 

"Für euch ist das einfach zu merken, für einen Computer ist das schwierig, er weiß nicht, wo die Trennung ist, für ihn macht das keinen Sinn." Sinnlos ist also knacksicherer, merke ich mir. Das ringt mir ein Lächeln ab, en schönes Motto für so manches im Leben. 

Die Komplexität von Passwörtern könne man aber auch gerne noch erhöhen. "Das geht dann prima mit Zahlen", fährt Stefan fort. Im Geiste formuliere ich mein gerade erfundenes Webereipasswort um in etwa so "Weberei22dubistganz88klasse". 

// Bilder und Musik als Merker 

Stefan zeigt Comics dazu: in Bildern kann man sich das als Mensch offenbar besser merken. "550 Jahre braucht der Computer jetzt um etwa Sätze zu knacken." Ich hoffe, ich habe mich nicht verhört. Wer sich Bilder nicht merken kann, nehme dazu auch gerne Musik und Liedertexte. Das Beispiel "ACDC" macht die Runde. Wie passend: das ist nicht nur eine Rockband, sondern steht auch für Wechselstrom, der seine Richtung in regelmäßiger Wiederholung wechselt.... 

"Baut euch im Kopf kleine Brücken - ihr braucht euch nur ein Passwort zu merken, welches modifiziert einsetzbar ist." Für die Aufbewahrung euerer Passwörter kann man Keepass als "Tresor" verwenden, oder auch True Key. Am besten merkt man sich also ein Masterpasswort.

// Verschlüsselung - jetzt wird´s ernst 

Nach der kurzen Einführung sind wir bei der Verschlüsselung von privaten eMails angelangt.

Was für uns alle zur Normalität geworden ist, wird von Stefan in Sekunden doch nochmal entzaubert: "Eine eMail ist eine Postkarte, die ihr durch die Welt schickt: die kann jeder lesen!! Das ist kein sicherer Brief. Zwischen Schreiber und Empfänger sitzen zahlreiche Mitleser: Der eMail-Server kann es lesen, der Betreiber kann es lesen, Nachrichtendienste können es lesen und wer sonst noch.

Wer also eine "Karte" schreibt mit „hallo Mama“ - das ist noch stressfrei. Eine K
arte mit der Angabe, wo der Haustürschlüssel liegt.. würde wohl keiner mehr auf eine Postkarte schreiben? Irgendjemand kann immer etwas mit den Inhalten anfangen. Warum also ohne Not diese Infos liefern?

Stefan spricht sensible Daten an: Was ist mit Dingen, die keiner wissen darf: Krankheiten etwa oder Daten, die den Beruf betreffen oder auch nur der Mailverkehr mit dem Finanzamt.
Die Verschlüsselung ist daher eine Art "Briefumschlag" für mails.

Stefan: "Auch Google durchleuchtet eure emails…!! Ihr habt dafür unterschrieben! Die Datennutzungsvereinbarungen sollte man lesen." 




// Start your engines

Jetzt wird es konkret, wir klappen die Rechner auf und bilden Grüppchen, an jedem Tisch sitzt ein C3PB-Freak und hilft. Wir basteln an einer Client-basierten E-Mail-Verschlüsselung und -Signatur. 

Wir nutzen das Public Private Key-Verfahren KeePass. Ein Public key ist gut, weil öffentlich, das kann jeder nutzen. Unser Ziel heute Abend: am Ende sicher kommunizieren.

Jetzt beginnt der Praxisteil.





Die Details der Installation etc. schenke ich mir hier. Das würde zu lange dauern und die einzelnen Schritte kann ich so nicht aufschreiben. Außerdem hatten wir viel Spaß dabei, man kann auch aus Fehlern lernen...

Am Ende des Abends jedenfalls stand die erfolgreiche Verschlüsselung unserer mails. Viel gelernt. Und das Bewusstsein geschärft dafür, wie man als ganz normaler Nutzer etwas für die eigene Sicherheit tun kann. 

Die Aktiven von C3PB bieten übrigens an, in einigen Monaten nochmal nachzulegen. Dann kann man schon aus den ersten Erfahrungen damit berichten und ggf. noch weitere Tipps im Umgang mit sicherer Kommunikation einholen. Als #owldigital werden wir das auf dem Zettel behalten. 

Auf jeden Fall ganz herzlicher Dank an das Team der C3PB - echte Kenner! Gut zu wissen!


Sonntag, 24. Mai 2015

Digitaler werden: Gütersloh

Wie kann Gütersloh digitaler werden - überhaupt den Anschluss an den digitalen Wandel schaffen? Ist das überhaupt ein erkennbares Ziel in Gütersloh? - Bisher leider nicht.


                           unaufhaltsam: Wandel            Foto ak15
Digitalisierung ist schon jetzt zu einem echten Standortfaktor geworden. Je digital wandlungsfähiger die Kommunen hier sind, desto besser ist die wirtschaftliche Situation und auch die Zukunft für die Gesamtbevölkerung. Digitalisierung hat dabei nicht nur etwas mit Technik zu tun. Die unterstützt lediglich. Digitalisierung ist auch soziale Veränderung und auch ein schonender Umgang mit unseren Ressourcen. 

Veränderungen werden von Personen getrieben. Diese müssen sichtbar und auch mit Kompetenzen ausgestattet sein. Abgesehen davon, dass sie digitales Denken und digitale Kompetenzen mitbringen und haben müssen. 

Zentrale Forderungen für Gütersloh sind daher:
  • Digitalisierung muss Chefsache werden.
  • Gütersloh ernennt eine(n) Digitalisierungsbeauftragte(n) – eine(n) sogenannten “Chief Digital Officer”
  • Gütersloh entwickelt eine eigene digitale Strategie, die sich die Stadt in einem beteiligungsorientierten Prozess erarbeitet. 
  • Die Prozesse in der Verwaltung werden digital gedacht. 
  • Haushaltsmittel für Digitalisierung werden dahingehend verschoben und mitgedacht.
Das wären die ersten Punkte, die ich in den ersten 100 Tagen meiner Amtszeit anstoßen will. Die Erfahrung zeigt, dass die innovativen Treiber der Digitalisierung schon in der Verwaltung sitzen - aber bisher ihre Möglichkeiten noch nicht entwickeln konnten. Das will ich ändern.

Gerade in diesen Tagen mehren sich die Veranstaltungen und Kongresse zum Thema "die digitale Stadt". Wenn ich wollte, könnte ich jeden Tag auf einer neuen Veranstaltung Information über Digitales erhalten. Mittlerweile liegen auch zahlreiche Studien vor, die belegen, dass der digitale Weg nicht mehr zu bremsen ist. Das sagen nicht die Technik-Freaks, sondern gestandene Entscheider in den Kommunen selbst.

Wir haben an der Stelle wieder einmal kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.

Die gerade veröffentlichte Studie von pwc "Deutschlands Städte werden digital" ging genau der Frage nach, wo Deutschlands Kommunen stehen, wenn es um Digitalisierung geht. Das Geographische Institut der Uni Bonn hat die Studie begleitet. Über 200 Kommunen wurden befragt, 25 Digitalexperten kamen zu Wort und am Ende sind 10 Handlungsempfehlungen entstanden, die einen guten roten Faden bilden können. Auch für Gütersloh. Die ersten Punkte der Empfehlungen kann man so übernehmen. Das ist auch mein Ansatz, wenn ich in meinem Wahlkampf davon spreche, dass Gütersloh den digitalen Wandel für sich gestalten muss.

Natürlich stehen deutschlandweit wieder erstmal die großen Städte an der Spitze der Bewegung: Köln gilt als Deutschlands digitalste Stadt, gefolgt von Hamburg und München. Aber auch Bonn und Wuppertal sind unter die ersten 10 gelangt. In den nächsten Wochen werde ich für Gütersloh mal genauer unter die Lupe nehmen, wie weit wir hier in der Stadt eigentlich schon sind - und wo wir hinkommen müssen.






Samstag, 16. Mai 2015

#rp15 im Mainstream angekommen - Digitales geht nicht mehr weg

Das highlight des Jahres, die re:publica 2015 liegt hinter uns. Dieses Jahr aber trat zum ersten Mal spürbare Ernüchterung statt Begeisterung der Netzgemeinde ein: "Es geht nur schleppend und schrittchenweise voran mit der Netzpolitik in Deutschland" - so die breite Einschätzung. Das ist zwar Kritik - bedeutet aber auch: Die #rp und die Fangemeinde sind im Mainstream angekommen. Ihr Schicksal als größte Internetkonferenz in Europa mit 6.000 Besuchern ist das, was viele Vorreiter bereits im Kleinen erfahren haben: Mainstream heißt Verwässerung der Inhalte, bedeutet Langsamkeit, bedeutet Kompromisse. Das bremst die kreativen Köpfe. Die suchen längst nach neuen Plätzen und finden diese auch. 



Auf der einen Seite also hält Langsamkeit Einzug, auf der anderen Seite galoppieren die Treiber, die Vorreiter weiter. Fakt ist also: Digitales gibt es in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Erfreulich Verbindendes aber für beide Seiten: Digitales geht nicht wieder weg! Keine Chance für die Verhinderer.



Diese breite Entwicklung der Verlangsamung von Veränderung kennen wir aus vielen Organisationen, wenn das Trendthema Digitalisierung seine Verbreitung in den sogenannten "Mainstream" erfährt, die Gesellschaft insgesamt wandelt sich. Mal deutlich, mal schleichend. Mehr und mehr nehmen sich des Themas an - so verwässern viele digitale Themen aber leider, in weiten Teilen werden sie beliebiger, weil eben auch nach der großen ersten Welle diejenigen mitgenommen werden, die nun Kompromisse suchen und machen. Verankern in der Breite nimmt oft den Schwung der Vorreiter. Was bleibt ist allzuoft Halbherziges. Das aber ist die bisherige Politik in Deutschland. Und manche der Vorreiter - wie Sascha Lobo - hatten genau dazu aufgerufen: geht wieder in die Politik, geht in die Gremien und betreibt dort Netzpolitik. Und da stehen wir.  

Mich treibt die Frage um, wo dann aber der Ort ist, an dem das hohe Tempo und die Lust an unkonventioneller Kreativität zukünftig stattfinden. Diese Ort sind wichtig, diese Orte muss man (sich selbst) immer wieder schaffen. 

Gerne möchte ich beide Aspekte begleiten: dem Potenzial für kreative Zerstörung und Aufbruch auf der Spur bleiben aber auch die Ruhe und Gelassenheit haben, die digitalen Prozesse und Veränderungen im Alltag und in den Institutionen zu verankern.



Die Perlen in den Sessions der #rp15 musste man diesmal suchen, sie waren da, aber kleiner als sonst. Fehlten diesmal also vielen Beiträgen die zündenden Funken, die weitreichenden Visionen von denen man in früheren Jahren locker ein Jahr zwischen #rp und #rp zehren konnte, so blieb jedoch das gute Netzwerken vollkommen erhalten.




Beeindruckend ist hier auch die wachsende Präsenz der OWLer, die sich den digitalen Themen verschrieben haben. Sie sind deutliche und kreative Treiber für die Region mit Ausstrahlung in die einzelnen Städte hinein. Das Netzwerk #OWLdigital trägt den digitalen Funken von der Hauptstadt bis hierher - und mittlerweile auch zurück. Inspirierend auch der offene Netzwerkgedanke an sich: hier wird über die Ortsgrenzen gedacht und gehandelt. Ein digitales Novum gegen jedes Kirchturmdenken.

Hier einige Aktionen und Beiträge aus dem Netzwerk OWLdigital: 

Ole Wintermann bloggt sein Resümee in drei Teilen und zeichnet die großen Linien der digitalen Entwicklung kritisch nach: Teil 1 "Systemkrise und Ideenklau"; Teil 2 "Die digitale Karawane zieht weiter - an den Mäkelnden vorbei" und Teil 3 "Arbeiten 4.0 und Ausblick (Klassentreffen oder Sandkasten?)"

Alex Kahl gibt ebenfalls einen profunden Rückblick auf die rp, er nennt sie sehr ruhig und sehr gut. Seine positiven Punkte sind u.a. People Analytics und Design Thinking Methoden.  
Ich selbst habe im Blog für den Wegweiser Kommune kommunale Aspekte aus den Beiträgen als roten Faden identifiziert und einige Impulse für künftige Stadtentwicklung empfohlen. 

Videos / Interviews BloggerCamp OWL

Zur Arbeit 4.0- Thematik gibt es einen Videomitschnitt u.a. mit Ole Wintermann, der ein barcamp zum Thema Arbeit 4.0 organisiert. Dieser deutschlandweite Aspekt wird ggf. mit den OWLDigitalen bald auch für OWL ausgerollt. Was bedeutet diese Entwicklung für die Region? Im Video dabei sind auch: Thorsten Ising (codeX), Andreas Kämmer (comspace), die über Arbeit 4.0 sprechen und beide in OWL wirken.




Ein weiteres Interview vom BloggerCamp: Moderiert von Frank Michna. Mit Beiträgen von Jan Westerbarkey von Westaflex zu Industrie 4.0 sowie mit Philipp Otto, dem Gründer des Think Tanks von iRights. Ich werde darin als Bürgermeisterkandidatin für Gütersloh befragt, die Digitales auf der Agenda hat (ab rd.10:45 Min.): 




Die Aussage "Digitales geht nicht wieder weg" ist tröstlich. Jetzt folgt der Brückenschlag vor Ort: Wie wandlungswillig und -fähig zeigt sich die Region, die Stadt?




Sonntag, 19. April 2015

Digitale Wirtschaftsförderung gestalten


Die Digitalisierung verändert die Wirtschaft radikal - nicht erst morgen, sondern heute schon: Daten sind die neue Währung, die sozialen Interaktionen in den neuen Kommunikationskanälen sind der Rohstoff für Wertschöpfung. 

Die Mechanismen von „Industrie 4.0“ und „Internet der Dinge“ wirken grundlegend anders als bisherige Geschäftsmodelle. Digitales Wirtschaften ist in der Lage, ganze Industrien alter Erfolge von heute auf morgen hinter sich zu lassen. 

immer in Bewegung
// Relationen ändern sich  

Diese Entwicklung und auch damit verbundene neue Formen der Arbeit 4.0 stellen unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Diese Entwicklungen gehen an Gütersloh nicht vorbei. Hier gilt es, die kommunale Wirtschaftsförderung digitalfähig aufzustellen.

Die Wirtschaftsförderung ist eine kommunale Aufgabe. Digitale Wirtschaftsförderung bedeutet Netzwerkarbeit – dies in virtuellen und realen Netzwerken. Dabei ändert sich die Relation zu den Unternehmen, die ihrerseits virtueller werden. Es ändert sich auch die Beziehung zu Kunden, die nicht nur Konsumenten, sondern zunehmend Produzenten sind. Firmen entstehen, die sich teilweise nur noch im Netz abspielen. Eine andere Form der Kommunikation miteinander wird daher unbedingt notwendig.

// Gutes Beispiel IT´S OWL 

Aus den Netzwerkstrukturen entwickeln sich Wertschöpfungsketten über Grenzen von Kommunen und Unternehmen hinweg. Viele Unternehmen arbeiten schon heute entörtlicht. Sie brauchen kaum mehr Werkhallen nach altem Verständnis oder riesige Gewerbeflächen. Sie wirken im Netz, sie nutzen statt dessen Kreativität und Wandlungsfähigkeit der Mitarbeiter. Mit einem Mausklick sind sie online oder bereits an einem anderen Ort aktiv. Darauf muss sich die Stadt Gütersloh künftig noch stärker einstellen. Eine klassische raumbezogene Wirtschaftsordnung ist damit künftig wirkungslos. 

es wird ernst: die Bundesregierung schaltet Anzeigen
Es braucht andere Kriterien wie etwa optimale Rahmenbedingungen in Form von guter Bildung, Netzwerkmöglichkeiten, schnelles Netz, Rückkopplung an Wissenscluster. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Technologienetzwerk IT´s OWL. Die Stadt Gütersloh muss virtuelle kommunale Orte schaffen, wichtiges Modul hierbei ist u.a. die Bildung und Qualifizierung der jungen Menschen vor Ort. 

// Kennen und Verstehen 

Für die Wirtschaftsförderung ist es notwendig, diese innovativen Formen des Wirtschaftens und Arbeitens zu verstehen und deren Mechanismen als Chance für Gütersloh zu nutzen. Die beschriebenen Möglichkeiten der Kommunikations- und Geschäftsprozesse verlangen andere Ansätze und Qualifikationen als das bisher der Fall ist. Vor dem Hintergrund der Konversion in Gütersloh ist das zentral. 

Diese Kompetenzen müssen Stadtverwaltung und Kommunalpolitik in Gütersloh jetzt verstärken und ausbauen. Dazu ist es notwendig, auch die Kompetenz in den eigenen Reihen der Verwaltung neu zu entdecken. Es ist eine hohes Maß an Medienkompetenz und an Netzwerkkompetenz gefragt. Das bedeutet oftmals Neuland für eine Verwaltung sowie einen Mentalitätswandel weg vom Behördendenken hin zum Agieren als Partner auf Augenhöhe. 

// Neue Formen der Zusammenarbeit

Auch neue Formen der Zusammenarbeit von Verwaltung, Unternehmen und Nutzern ist gefragt, wie etwa beim User Generated Content. Wer sich öffnet und etwa offen Daten zur Verfügung stellt, kann durch zivile Datenveredler neue Werte schaffen. Es werden vernetzte und kollaborative Arbeitsorte gebraucht, die die Gründung von Plattformen ermöglichen, durch die Neues entsteht. Diese Plattformen allerdings können nur ortsgebunden sein, wenn eine Kommune diese erkennt und an sich binden kann. Für die zukünftige Finanzkraft einer Stadt wie Gütersloh wird dies eine zentrale Rolle spielen. Die Stadt muss in mobile und vernetzte Kommunikation investieren. 

// Ziel 2020 erreicht?! 


Das jedoch geht nur, wenn auch die Verwaltung an sich zu einer modernen Verwaltung wird, nur so kann sie den Rahmenbedingungen und Bedarfen einer zunehmend veränderten Umwelt gerecht werden. Gütersloh muss im Können und im Handeln digitaler werden. Das Ziel ist eine Verwaltung 4.0 bereits 2020, das schließt eine digitalfähige Wirtschaftsförderung mit ein. 


Fotos: ak2015


Freitag, 5. Dezember 2014

4. Treffen OWL - die digitale DNA verbreitet sich

Unser Netzwerk #owldigital bekommt immer mehr Luft unter die Flügel. Es zieht Kreise. Schön, dass auch das Gütersloher Stadtmagazin GT-Info das Thema aufgegriffen hat. Ein schöner Brückenschlag von Online und Print. 


Das 4. Treffen im November (25.11.) in der Weberei Gütersloh und damit im Bürgerkiez war zugleich eine Premiere: Wir hatten zum ersten Mal einen Referenten eingeladen - Willi Kaczorowski. Er hat gerade das Standardwerk in Deutschland herausgegeben "Die smarte Stadt", welches alle Handlungsfelder beleuchtet, die diesen Wandel beinhaltet. Ein Must für alle Kommunalgestalter. Zudem war er gerade auf dem WorldSummit zum Thema "SmartCity" in Barcelona.




Eine komplette Wiedergabe wäre seitenfüllend, hier einige der Highlights, die Impulse auch für uns sind. Mein heutiger Post auch mit dem Einblick gepaart, wie fix heute das gesprochene Wort über Twitter verbreitet wird:

Kaczorowski erklärt, Digitalisierung sollte als Teil der Daseinsvorsorge betrachtet werden und sei damit hoheitliche Aufgabe - und nicht nur das, er sprach auch davon: 

Schon alleine dieser Umstandt würde eigentlich ein „Recht auf Breitband“ mit sich bringen.
Breitband sei die Grundvoraussetzung, dass Städte und auch ländliche Räume künftig überhaupt eine Chance haben, weiter an Wertschöpfungsketten angebunden zu bleiben. Da gibt es noch viele Baustellen. (Ja, kann man da nur kommentieren, gerade in Gütersloh rutscht die Diskussion dazu ab ins Reich der obsoleten Telekom.)

Kaczorowski bekräftigt eindeutig, der Grad der Digitalisierung sei auch entscheidend dafür, welche (innovativen) Branchen sich in den Städten ansiedeln - und künftig noch angezogen werden. Das habe Auswirkungen auf den Standort an sich, also sei Digitalisierung als Standortfaktor zentral. Schon jetzt.

Er nannte u.a. das Beispiel "Gesundheit und Pflege":
„Smart-City-Ansatz“ kann dazu führen, dass zu pflegende Personen länger zu Hause leben können. In der Überlegung sind etwa die Überprüfung von Vitalfunktionen über Ferndiagnose. Nicht unerheblich sei dabei die soziale Anbindung: Skype, Facetime usw. helfen schon heute, die räumlichen Distanzen von Familien zu überbrücken, die nicht selten im ganzen Land verteilt leben. Auch die Versorgung spricht er an und weist auf künftig digitale Möglichkeiten der Bestellung von Lebensmitteln, Kleidern usw. hin. 


Andererseits werden bessere Möglichkeit zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf durch mobilen Arbeitsort ermöglicht; gleichzeitig bedeutet das ein verringertes Verkehrsaufkommen. Auch das ein Aspekt von Mobilität: 

Digitale Auswirkungen

Diese kurzen Anrissen zeigen, welch weitreichende Auswirkungen Digitales auf das Leben vieler Personen hat und die Lebensqualität sehr steigern kann. 


Ein ähnliches Bild ergebe sich auch für die Bildung, für die es durch die Vernetzung von den Bildungseinrichtungen wesentlich bessere Reichweiten gibt, individuelles Lernen ermögliche, auch das lebenslange Lernen fördere. Eine besondere Rolle könnten hier künftig die Bibliotheken einnehmen: sie wandeln sich zu Wissenszentren.


Veränderung ergibt sich schon alleine dadurch, dass sich auch die Arbeitsprozesse ändern, sie werden smart. Oft passiert in den Kommunen dann etwas, wenn der Druck der Wirtschaft vor Ort auf die Kommunen steige, hier aktiv zu werden und eine bessere Versorgung zu erreichen. Unbedingt gilt das auch für den Mittelstand. Der Appetit auf Breitband kommt beim Essen, sagt Kaczorowski und spielt damit elegant auf den stetig steigenden Bedarf an schnellem Internet an. In der Arbeitswelt und in der Welt der Zivilgesellschaft gleichermaßen. 

Eine ganz besondere Rolle komme dabei der Wirtschaftsförderung zu, die künftig viel deutlicher in einer „Orchestrierungsrolle“ wirken müsse, da diese am besten den Mittelstand „mitnehmen“ kann und die wichtigen Player innerhalb einer Kommune an den Tisch bringen kann, um etwas voran zu bringen. 


Eine (von vielen) spannende Frage kam in der Diskussion auf: 


Welche Auswirkungen kann die Digitalisierung auf die Konversionsflächen haben? 
Kaczorowski meint: Zehn Jahre sind in der digitalen Entwicklung nichts. Vor 10 Jahren sprach kaum einer von Amazon. Doch der digitale Wandel ist schnell, viel schneller in seinen Wirkungen als bisherige Veränderungen das waren. Politik aber reagiert in Zyklen - das sei nicht mehr kongruent zu den Bedürfnissen heute. Die Ansprüche wachsen etwa besonders bei denjenigen, die mit Digitalem grossgeworden sind. Es gilt hier klug zu denken - und die Möglichkeiten vorauszunehmen. Ein Beispiel ist sicher Nokia. Ein Beispiel ist die Veränderung in der Autoindustrie mit Trend zum AutonomenAuto. Und ein weiterer Trend zeichnet sich ab: künftig kommt die Wirtschaft wieder in die Cities - es reiche, wenn etwa ein moderner 3-D-Drucker im Zentrum stehe. 
Der Abend war spannend, inhaltlich und auch netzwerktechnisch. Wir machen weiter, Ende Januar 2015 findet das nächste Treffen statt. Ideen liegen schon vor. Wir sammeln weiter.  

Wer sich weiter über #owldigital informieren möchte, kann das tun - auf Facebook und auf Twitter oder auch face-to-face. Der #owldigital ist gesetzt. Alle Interessierten sind eingeladen, mitzumachen oder einfach nur dabei zu sein. 







Dienstag, 2. Dezember 2014

Blick in die Geschichte zeigt Zukunft auf - Breitband

Wir stehen vor einer erneuten Zeitenwende. Auch Gütersloh muss sich entscheiden, welche Weichen die Stadt stellen will: Breitbandversorgung in kommunaler Hand - ja oder nein?! Nicht gleich abwinken bei dem Thema! Denn: hier sei ein kleiner Blick in die Stadtgeschichte erlaubt, der ganz unglaublich Interessantes hervorbringt.


Die Stadt Gütersloh hat eine erstaunliche Geschichte des Aufstiegs von einem Dorf zu einer beachtlichen Stadt mit Industrie von Weltgeltung hinter sich. Vor nun fast genau 100 Jahren standen die Stadtväter vor einer genau so großen Entscheidung, ob sie die Stadt elektrifizieren sollte - oder nicht. Damals war Elektrizität bahnbrechend Neues, nur Wenige waren am "Netz" angeschlossen.

Es lebe der Strom

Ende der 1890er Jahre hatte die Absatzentwicklung an Gas hatte ihren Höhepunkt erlebt. Der Verbrauch war hoch, aber nicht mehr wachstumsfähig, die Elektrizität war im Kommen: die Fabrikbetriebe gingen schon langsam vom Gas zum elektrischen Lich über. Vorreiter waren etwa die Gütersloher Betriebe wie Gebr. Bartels, Güth& Wolf, Gütersloher Weberei etc. und auch Firma Miele. Auch der Bahnhof stieg auf elektrisches Licht um. Erste kleine Netzwerke mit Strom gab es bereits, einige im Stadtgebiet. Die Betriebe hatten allerdings alle für sich selbst gesorgt und sich eigene Versorgungen organisiert. 

Eine erste Begründung für einen möglichen Umstieg auch in der Stadt Gütersloh von Gas auf Elektrizität findet sich in den Verwaltungsunterlagen mit dem Argument, Gas reiche künftig nicht mehr aus. Zudem verblassten mittlerweile die technischen Möglichkeiten der Gasleuchten. Sie wurden zunehmen unbrauchbar und waren für die gestiegenen Anforderungen an sie nicht mehr leistungsfähig genug. Zudem trat die Glühbirne 1911 auf die Weltbühne und setzte Maßstäbe.

Die Realität ist schneller.... 

"Die Gütersloher Stadtverwaltung demonstrierte dennoch Gelassenheit. Eine "tötliche Konkurrenz" für das Gaslicht wurde im Verwaltungsbericht für 1896 bis 1907 ausgeschlossen." Doch 1909, zwei Jahre nach seinem Erscheinen, hatten sich neue Ansichten durchgesetzt. Es wurde eine Elektrizitätskommission eingesetzt. 



Mitglieder der 1909 eingesetzten Elektrizitätskommission waren die Herren Wolf, Niemöller, Schmäling und Flöttmann, sie befassten sich mit einem Angebot der RWE. Diskutiert wurde die Wirtschaftlichkeit und ob sich eine Versorgung bei wenigen Abnehmern überhaupt rentiere. Allerdings blieb die positive Grundstimmung in Richtung E-Werk bestehen. 

Umfrage zeigt Bedarf

1910 machte dann die Stadtverwaltung eine Umfrage im alten Stadtgebiet und fragte in einer Einwohnerbefragung (!) und nicht etwa nur bei Betrieben das "Bedürfnis nach elektrischer Energie" ab. Das Ergebnis war eindeutig: der Bedarf war deutlich erkennbar. Die Stadtverwaltung erarbeitete eine Wirtschaftlichkeitsberechnung für ein städtisches Elektrizitätswerk mit eigener Stromversorgung, da liefen gleichzeitig Angebote von drei Anbietern ein. Verkürzt: die Lieferung kam von außen, doch erlaubte der Vertrag, dass das Elektrizitätswerk an die Gemeinden liefert und diese ihn an die Einwohner verkaufte, in welchem Falle die Gemeinde das Verteilungsnetz innerhalb der Gemeinde selbst bauen und unterhalten muss. 
Um eine aktuelle Planung des Netzes vornehmen zu können, wurde eine zweite Umfrage gemacht. Das Ergebnis zeigte noch deutlicher als die erste Umfrage, wie enorm der Bedarf in der Bevölkerung gestiegen war: die Anzahl der benötigten Lampen hatte sich demnach in nur einem Jahr verdoppelt. 

Geld für richtige Entscheidung 

Im Dezember 1912 verabschiedeten die Stadtverordneten auf Antrag des Magistrat ein solches Projekt des Netzbaus und genehmigten die Anleihe von 300.000 Mark. 
Zugleich wurde eine ElektrizitätswerkKommission eingerichtet, die für die Ausschreibung zuständig sein sollte.

1913 wurde der Auftrag zur Erstellung eines eigenen Leitungsnetzes und der Transformationseinrichtungen erteilt. Die eigentliche Lieferung verzögerte sich zwar, aber Fakt war: der Strom floss durch stadteigene Netze.

In der Versorgung der Außenbezirke wurden zudem acht weitere Bürgerversammlungen durchgeführt. Vier der Ortsteile bekannten sich ebenfalls dazu, Strom abzunehmen, 1914 floss auch hier Strom. Mit den übrigen wurden gesonderte Vereinbarungen getroffen, in Pavenstädt, Gütersloh-Nord bis zur Berliner Straße floss jedoch kein Strom, hier hatte man sich anders entschieden. 

1914 begann der Erste Weltkrieg, die Weltgeschichte setzte andere Prioritäten.

Die Quelle für diesen geschichtlichen Abriss und das verwendete Foto ist die Chronik zum 125-jährigen Bestehen der Stadtwerke Gütersloh "Die Stadtwerke Gütersloh 125 Jahre", die 1987 von Stadtarchivar Günter Beine erstellt wurde.

Fazit: 

Grundsätzlich kann man diese geschichtliche Weichenstellung in Gütersloh als Blaupause für die heutige Entscheidung sehen: wir stehen heute vor genau der gleichen Herausforderung - flächendeckende Breitbandversorgung gehört in kommunale Hand. Dieser Forderung kann man nicht die kalte Schulter zeigen. 

Noch heute profitieren Stadtwerke und Stadt von den Netzen, in anderen Orten werden Netze händeringend zurückgekauft. Netzbesitz ist Macht und Gemeinwohl. Das ist auch bei der Digitalisierung nicht anders. 

















Dienstag, 18. November 2014

Mittelalter: IT-Ausstattung in Schulen

In dieser Woche wurde eine Forsa-Studie im Auftrag des VBE (Verband Bildung und Erziehung) veröffentlicht. Kernaussage: Die IT-Ausstattung in Schulen ist mittelalterlich. Das ist in Gütersloh wohl nicht anders. 


Bei der Vorstellung der Ergebnisse ist dies hier sicherlich die zentrale Aussage:

„Die IT-Ausstattung der Schulen ist mittelalterlich“, kritisierte Udo Beckmann. „Wer digitales Lernen in den Schulen ernsthaft installieren will, muss eine zeitgemäße Ausstattung aller Schulen, von der Grundschule bis zu den berufsbildenden Schulen, sichern. Und das ist allein in Verantwortung der Dienstherren und Schulträger zu realisieren.“ 

Das sehe ich genau so. Es gibt viele gute Kollegen, die das Thema längst in der Schule etablieren könnten - nur ohne Ausstattung geht es nicht. Und wir sprechen hier nicht von ein paar PCs, die in der Nische im Büro verstauben. Es geht um Klassensätze an Tablets. Die Grafik zeigt: Tablet-Computer sind in den Schulen Fehlanzeige. 


Forsa
Foto: Forsa






Ein Ergebnis stimmt versöhnlich: 72 Prozent der Befragten gab an, dass die Schule über einen schnellen Zugang zum Internet verfügt. Was aber, wenn der nicht genutzt wird, weil die Bits und Byptes ins "Nichts" fließen?

Wenn jetzt die alljährlichen Haushaltsberatungen anstehen, auch der Fachbereich Bildung seinen Haushalt aufstellt, könnte man darüber nachdenken, eine einmalige Aufstockung der Mittel für die Schulen festzulegen. Und zwar zweckgebunden mit dem Ziel der Verbesserung der IT-Ausstattung in den Schulen.

Einen zweiten Antrag wäre auch dies wert: Wie sieht das eigentlich in Gütersloh aus? Kommunizieren die Verantwortlichen in Schulen und Schulverwaltung eigentlich über geschützte dienstliche E-Mails? Nur 57 Prozent der Befragten sagten hier ja in der Forsa-Umfrage. Gerade hier geht es um wirklich sensible Daten. Meine Erfahrung ist die, dass sich hier bisher keiner darum gekümmert hat. Also: Nachhaken!

Hier scheiden sich die Geister

In der Thematik der Nutzung von digitalen Endgeräten scheiden sich derzeit noch die Geister. Es gibt Befürworter, es gibt Gegner. Eines ist aber klar: bei jeder Bewerbung werden heute die Jugendlichen auf ihre Fähigkeiten am Rechner getestet! Neue Berufe enstehen, die überhaupt erst durch die Digitalisierung erzeugt wurden. Die Betriebe werden Zug um Zug "smart", d.h. sie nutzen intelligente Technik. Die Unternehmen suchen Beschäftigte mit diesen Kompetenzen. Von digitaler Teilhabe will ich hier zudem mal schweigen.

Besonders skuril wird es übrigens hier: sowohl Schüler als auch Lehrer generieren ihr Wissen und Können in der Nutzung von Smartphones, Tablets und Rechnern privat. Neun von zehn befragten Lehrer geben das zumindest so an. Und bei den Schülern kenne ich das aus eigener Erfahrung: Das, was mein Sohn am Rechner alles kann hat er nicht in der Schule gelernt. 

Also: Zwei Anträge in der Politik ergäbe diese Forsa-Umfrage auf jeden Fall. Die Erkenntnisse sind da. Das wäre mal ein Anfang. 









Dienstag, 11. November 2014

Open Data als Baustein für Innovation

Ein mittlerweile fester Bestandteil im netzpolitischen Kalender ist das Barcamp "Offene Kommunen NRW" in Wuppertal. Am 8. November fand es zum vierten Mal statt - eine Aktivität, die erfreulicherweise mal nicht in der Netzblase Berlin stattfindet, sondern das Land NRW und die kommunalen Akteure in NRW direkt anspricht und vernetzt. Im Zentrum stehen Theorie und Praxis von Open Government und Open Data in Kommunen, diesmal ging es um den Schwerpunkt „Energie“. Energie als Rohstoff, aber auch in diesem Sinne:

Ein "Mehr an" verlangt ein "mehr von"...


Das Thema Open Government gilt es, in den Kommunen mit mehr "Energie" voranzutreiben. Mehr Transparenz, Beteiligung, Engagement und Kooperation erfordern von Politik, Verwaltung und Bürgern eben auch mehr Anstrengungen. "Häufig sind die Bürger nur die Zaungäste bei den Open Government-Projekten. Bei Offene Kommunen.NRW stehen sie im Mittelpunkt." - so die Einladung.

Nach der Session von Dieter Hofmann zu "Open Government in Kommunen vorantreiben" habe ich Matthi Bolte als MdL NRW für die Bündnis 90/Die Grünen um ein Kurzstatement zum Thema Open Data gebeten:


Open Data ist Innovation

Matthi Bolte ist Sprecher der Grünen Landtagsfraktion für Netzpolitik und Datenschutz. Als Bielefelder und damit Abgeordneter der Nachbarstadt von Gütersloh ist er einer der Wenigen in OWL (Ostwestfalen-Lippe), die sich mit Netzpolitik und den angegliederten Themen befassen. Auf seiner Homepage finden sich zahlreiche Positionen dazu, u.a. eine kurze Einschätzung der OpenNRW-Strategie.

Bolte spricht Open Data als einen Baustein in der Innovationsstrategie des Landes an, mit dem mehr Transparenz und auch mehr Innovation ermöglicht werden können. Im Zentrum steht dabei die gerade im Mai 2014 von der rot-grünen Landesregierung NRW verabschiedete Strategie "OpenNRW". Diese wurde im Barcamp ebenfalls in einer eigenen Session vorgestellt und kritisch diskutiert, siehe meinen Blogpost dazu. 


Wie kommt das Thema Open Data in die Fläche?

Die Frage eint sowohl die Landespolitik als auch die Akteure vor Ort: Wie kann die Idee und das Tun zu Open Data und Open Government in die Breite getragen werden? (Die Ziele dabei sind sicher nicht gleich.)

Kontrovers diskutiert wurde, nicht immer nach dem Land NRW als Ermöglicher zu rufen, sondern selbst aktiv zu werden. Trotzdem blieb die Frage im Raum: Wie sähe eine strukturelle Unterstützung durch das Land aus?

Es reicht in den Bemühungen eben NICHT, dass die potenziellen Umsetzer allesamt den Telefonhörer in die Hand nehmen und bei den erfolgreichen Wegbereitern und Experimentierern von Open Data und Open Government Claus Arndt (@derarndt), Sven Hense (@eGovBonn) und Sabine Möwes (@moewi) anrufen.

Muss man in Zukunft nicht stärker an Strukturen und an Vernetzungsmöglichkeiten arbeiten? Dies in Kommunen und Land gleichermaßen?
Dazu gibt es noch eine Menge offener Fragen: etwa die nach der "Vertrauenswürdigkeit" derer, die Daten überhaupt abrufen. Wem darf oder kann man "Daten" überlassen? Und: wer entscheidet eigentlich über die Freigabe von Daten in den Kommunen? Ist es hilfreich, dazu einen Ratsbeschluss in den Kommunen zu erwirken, der solche Anfragen überhaupt an eine Stelle in der Verwaltung verweist, die "zuständig" ist? Interessant ist hier ein Blick auf den WikiEintrag von "Potenzial DataSources" als eine Anregung für Anfrager nach offenen Daten.

Siehe auch alle weiteren Blogposts zum Barcamp "Offene Kommunen NRW".































Mittwoch, 5. November 2014

Telekom als Erster am Fressnapf der Gewinne - Breitbandausbau in Gütersloh

Es fällt plötzlich wie vom Himmel: Der Breitbandausbau. Nachdem das Thema bisher keines war, will es plötzlich, über Nacht quasi die Telekom richten, das ist die aktuelle Meldung des Tages. Ein Jubel geht durch die Reihen der Verwaltung und der Politik. Es scheint aber doch ein Aufatmen zu sein, dass man sich mit dieser sperrigen Thematik nicht tiefer befassen muss. 

Zu schnell gefreut, kann man nur sagen. 


Fotos ak 2013


Ausschuss für Wirtschaftsförderung 

Gerade am letzten Donnerstag wurde das Thema Breitband im Ausschuss für Wirtschaftsförderung in Gütersloh thematisiert, dies auch, weil unser Antrag von "Demokratie wagen" zum Breitbandausbau endlich auf der Tagesordnung stand. Der lag bereits seit August 2014 vor, so lange war er in der Schublade der Verwaltung gelagert. 

Hier wurde u.a. auch der "Masterplan Breitbandausbau" durch den Dienstleister MICUS aus Düsseldorf vorgestellt. Hier hatte man noch davon gesprochen, dass Gütersloh ausreichend durch UnityMedia "versorgt" sei, ein Ausbau sei demnach nur in den Gewerbegebieten notwendig. Nicht mal eine Woche später kommt nun die Telekom und erklärt, sie macht es.


  • Wusste der Dienstleister (MICUS) nichts von diesem Angebot? Warum dann ein solches Gutachten?
  • Hat sich die Telekom ganz spontan entschieden, weil ihr ein riesen Geschäft durch die Lappen gehen würde, wenn sich ggf. örtliche und regionale kleinere Anbieter an diese Zukunftsaufgabe machen würde?
  • Oder gab es Hinweise, die aber im nicht-öffentlichen Teil diskutiert wurden? Mit der Maßgabe, dass eine Diskussion darüber, ob diese Netze in öffentliche Hand gehören oder in privatwirtschaftliche gar nicht erst hochkochen sollte?


Fakt ist: Kommt die Telekom zum Zug, bedeutet das, die Entwicklung in Gütersloh wird zukünftig ganz schnell auf der Strecke bleiben. Das Überbauen der alten Kupferkabel ist nur eine Notlösung für kurze Zeit. Danach wird es vielleicht für die Stadt sogar teurer.

Kritik von "Demokratie wagen!"

"Demokratie wagen!" hat zur Entscheidung im Wirtschaftsförderungsausschuss bereits eine Einschätzung gegeben: Fazit: Gütersloh verliert den Anschluss.

Hier unsere Mitteilung von "Demokratie wagen" dazu:

Zukunftsfähig wird Gütersloh so nicht, die digitale Agenda fasst in Gütersloh keinen Fuß.
Am Donnerstag, 30.10.14 tagte der Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Immobilien (AWI). Auf der Tagesordnung stand die zukünftige Versorgung mit schnellem Internet - die Breitbandversorgung. Vorgestellt wurde der „Masterplan“, eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Infrastruktur zum Breitbandausbau mit Glasfaserkabeln für ein schnelles Internet und daraus abgeleitete mögliche Handlungskonzepte. Erarbeitet hat dies im Auftrag des Kreises Gütersloh und seiner angehörenden Städte und Gemeinden die Firma MICUS Management Consulting GmbH. Geschäftsführer Dr. Martin Fornefeld stellte die ortsgenauen Ergebnisse für die Stadt Gütersloh vor. Koordiniert wird das durch die Infokom, ein Zweckverband, dem auch Gütersloh angehört. ..... Weiter geht es hier.


Die Stadt Gütersloh gab dazu heute eine Pressemitteilung heraus, in der MICUS als Gutachter des Masterplans erst gar nicht mehr genannt wird und auch unser Ausgangsantrag komplett fehlt. Auch die politische Frage, ob das Netz in kommunaler Hand bleiben soll, fällt unter den Tisch.

Spiel und Zocken um Millionen 

Interessant ist ein Blick auf die Seite der Telekom, wenn man den Suchbegriff der "Vectoring-Liste" eingibt. Diese "Liste" und die Hoheiten dahinter ist ein Geschenk der Bundespolitik an den Ex-Monopolisten, die bestehende Infrastruktur mit Kupfer weiter auszureizen -  auf Kosten des modernen Ausbaus mit Glasfaser, den mittlerweile andere Anbieter aktiv betreiben (kommunale Anbieter etwa) und damit der Telekom stark Konkurrenz machen, aber eben auch deren altes Modell in Frage stellen. Bei der Überprüfung auf der Seite der Telekom, ob die eigene Kommune mit schnellem Internet dabei ist, findet sich Gütersloh bisher nicht.

Die Telekom hat sich also in Gütersloh beeilt, um möglichst selbst schnell am Fressnapf der fetten schnellen Gewinne zu sitzen - bevor andere auf den Gedanken kommen, hier Fuß zu fassen oder die Politik die Idee wertschätzt, dass Netze kommunal sein müssen.

Schade für Gütersloh. Schade für diese Intransparenz, das macht keinen guten Eindruck für den weiteren Prozess. Die öffentliche Diskussion fehlt - in Kürze wird das zu einem Bumerang werden. Auch die Wirtschaft dürfte in den Startlöchern stehen, hier Einblick zu bekommen. Sie hat verstanden, dass Internet eine Ressource darstellt.